Devil You Know

Ordnung muss sein! Deshalb gibt es die Putzliste für das Treppenhaus immer noch. Allerdings hängt sie heute wieder an der Tür, die vom Treppenhaus in den kleinen Garten hinter dem Haus führt.

„Ordnung muss sein!“, hat die Kritische Katze gesagt, als sie die Liste umgehängt und darauf geschrieben hat: „9. Mai, Nachmittags: Spielerunde“. Als Trent endlich dazukommt, hat Tatzelohrwurm bereits ein zweites Blech Pizzaschnecken fertiggebacken und in einer Schüssel auf dem rostig-weißen Gartentisch bereitgestellt. Die Katze hat einige Flaschen Iced Chai Latte abgefüllt und Wasser, Eiswürfel und Salz in einen Eimer gegeben, in dem die Flaschen kalt bleiben können.

„Was wollen wir spielen?“, fragt Trent und schnappt sich sofort eine Pizzaschnecke.

Das Schwarze Auge!“ sagt die Katze.

Hitster!“, sagt der Tatzelwurm: „Oder Dorfromantik!“

Wie gut kennen wir uns?“, schlägt Trent vor und gewinnt die anschließende Abstimmung, obwohl die Katze auf einem Spiel mit Fantasy-Schwerpunkt besteht.

Als alle um den Tisch herum sitzen, jeweils mit Stift, Papier und einem improvisierten Sichtschirm vor sich, sagt der Tatzelwurm: „Wir hätten auch in den Stadtpark an den Weiher gehen können.“

„Mmhmm!“, machen die beiden anderen, aber niemand macht Anstalten aufzustehen.

Die Katze fängt an: „Lieblingsfußballspielerin?“. Alle drei kritzeln schnell etwas auf ihre Zettel.

Linda Dallmann!“ruft die Katze und zeigt auf den Tatzelwurm. „Stimmt.“, sagt der Tatzelwurm und zeigt seinen Zettel.

Dann schaut er die Katze an und sagt entschieden: „Jule Brand!“. „Falsch!“, sagt die Katze: „Außerdem hättest du mit Trent weitermachen müssen.“

Echt?“, fragt der Tatzelwurm irritiert: „Bin ich immer noch dran? Klara Bühl?“

„Nö!“, sagt Trent, der Alexandra Popp aufgeschrieben hat: „K.! Aitana Bonmatí?“

„Richtig.“, sagt die Katze und notiert auf einem Blatt in der Tischmitte:

TatzelwurmTrentK.
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Der Tatzelwurm ist dran: „Lieblingsfarbe!“ Dann fragt er Trent: „Rot?“ „Schwarz.“, sagt Trent.

„Schwarz ist keine Farbe.“, bestimmt die Katze: „Trent muss sich etwas Anderes aussuchen.“

„Dann ist rot richtig.“, sagt Trent und wendet sich an die Katze: „Sonnenblumengelb?“

„Wegen der Essstäbchen?“, fragt die Katze belustigt: „Daneben!“

Grün!“, ruft der Tatzelwurm.

„He, du bist überhaupt nicht dran, T.!“, protestiert Trent.

„Warum? Wenn du falsch rätst, kann ich doch mein Glück versuchen.“, findet der Tatzelwurm: „Außerdem sollten wir zwischendurch mal die Reihenfolge ändern“

Auch falsch!“, sagt die Katze: „Meine Lieblingsfarbe ist schön leuchtendes Bleiweiß, entweder mit einem Ockerstich, wie die Unterseite der Wolken in Tizians Noli me tangere oder mit Stich ins NATO-Baracken-Bronzegrün.“

„Ich will den Zettel sehen!“, fordert Trent. Die Katze zeigt bereitwillig ihren Zettel. Darauf steht: „Bleiweiß, leuchtend – Stich Ocker (Tizian: Noli me tan.: Wolken) bzw. NATO Baracken“

Weiter geht es mit einem Würfel: bei einer ungeradem Zahl geht die Frage nach links, sonst nach rechts.

Bestes Schulfach!“, ruft Trent und würfelt eine 4 – also geht die Frage an Tatzelohrwurm: „Musik?“

„Leider nein.“, antwortet der Tatzelwurm. „Bio?“, vermutet die Katze.

„Genau.“, bestätigt der Tatzelwurm.

„Klar!“, meint die Katze: „Wegen der Echsen.“

Hallo? Welche Exen – in Bio? Wegen der Zusammenhänge in Ökosystemen und weil ich die Erkenntnisse zu Erbgut und Mutation spannend fand.“, stellt der Tatzelwurm klar.

Die Katze nickt: „Echsen.“

Fiktive Actionheldin!“, fällt der Katze als Nächstes ein.

„Können das auch Superschurkinnen sein?“, fragt der Tatzelwurm und die Katze lässt es mit einer gütigen Miene zu. Dann würfelt sie „rechts“ und vermutet: „Ellen Ripley?“

Selbstverständlich!“, sagt Trent und wendet sich an den Tatzelwurm: „Hecate aus den Hellboy-Comics?“

„Oh, die ist gut! Darf ich mich noch umentscheiden?“, fragt der Tatzelwurm.

Nicht, wenn ich errate, wen du aufgeschrieben hast!“, bestimmt die Katze: „Milady aus Die Drei Musketiere?“

Verflixt! Woher wusstest du das?“, empört sich der Tatzelwurm spaßeshalber und zeigt seinen Zettel zur Bestätigung.

„Aber bei dir ist es schwer.“, überlegt der Tatzelwurm: „Ich schwanke zwischen Clea aus Doctor Strange und Alice aus Resident Evil. Moment… Buffy the Vampire Slayer?“

Beeindruckend!“, sagt die Katze: „Wir kennen uns viel zu gut.“

Echt? Zeig mal!“, kichert der Tatzelwurm, der sein Rätselglück nicht fassen kann: „Moment mal! Da steht Faith!“

Dann gilt es nicht!“, ruft Trent, der beim Blick auf die Strichliste bemerkt, dass er sonst an die letzte Position rutschen würde.

„Gleiche Serie, sehr ähnliche Figur – den Punkt kann man durchaus geben.“, entscheidet die Katze und bekommt dafür vom Tatzelwurm noch eine Pizzaschnecke.

„Hallo Jungs, was macht ihr denn da Schönes?“ – die Stimme von Frau Rüther lässt alle drei zusammenfahren, besonders Trent wird plötzlich kreidebleich.

Frau Rüther kommt mit ihrem Hund in den Garten, der sofort schwanzwedelnd auf die Kritische Katze zuläuft.

„Hallo Claudia“, sagt die Katze schicksalsergeben.

Claudia Rüther trägt heute ihre schwarzgefärbten Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden – außerdem trägt sie eine enganliegende hellblaue Jeans und eine luftige aprikosenfarbene Bluse. Während sie sich mit wiegenden Schritten wie zu einem Reggaeton-Rhythmus dem Tisch nähert, setzt sie ihre große runde Brille auf. Sie beugt sich mit weit aufgerissenen Augen ein wenig nach vorne, wobei sich ihre Stirn in sorgenvolle Falten legt. Dann flüstert sie halb: „Ist denn alles in Ordnung bei euch?“

Absolut!“, sagt die Katze und versucht, fröhlich zu klingen: „Und bei dir, Claudia? Und bei dir, Lupo-Lupo?“ Die Katze fängt an, den schwanzwedelnden Zwergpudel durchzukneten, der sich immer noch mehr freut.

Alles wunderbar, Frau Rüther!“, sagt der Tatzelwurm und klingt dabei angespannt.

Trent ist immer noch ganz bleich und sagt gar nichts.

Wirklich?“, bohrt Frau Rüther, nickt mit dem Kopf und öffnet die Augen sogar noch weiter. Dann nimmt sie einen Gartenstuhl und stellt ihn zwischen den Tatzelwurm und die Katze. Dort beugt sie vor dem Stuhl die Knie, bis sie den Stuhl hinter sich greifen kann und zieht diesen dann ganz nah an den Tisch, um sich zu setzen – all das in einer mühelosen, fließenden Bewegung. Sie schlägt die Beine übereinander und nimmt eine kerzengerade Haltung ein. Dann schaut sie zu Tatzelohrwurm hinüber und erklärt: „Ich bin natürlich die Claudia.“, lächelt und zieht gleichzeitig eine Augenbraue in die Höhe.

„Claudia“, wiederholt der Tatzelwurm und lächelt ebenfalls, sagt aber nichts weiter.

Frau Rüther sieht einen Moment lang so aus, als würde sie die Luft anhalten – dann dreht sie ihren Oberkörper dem Tisch zu und fragt: „Lasst ihr mich mitspielen, Jungs? Bekomme ich auch Stift und Papier?“

Der Tatzelwurm beeilt sich, Frau Rüther mit allem auszustatten, was sie zum Mitspielen braucht und wird dafür von Trent und der Kritischen Katze mit Blicken durchbohrt.

„Wir müssten die Würfelregeln ändern.“, sagt die Katze langsam. Schnell wird aber eine Regelung gefunden, bei der in jeder Runde die ersten beiden Personen würfeln müssen.

Der Tatzelwurm ist ohnehin dran und überlegt länger als zuvor. Dann sagt er: „Lieblingstier.“ Er würfelt, dass er Trents Lieblingstier erraten muss und rät: „Vielleicht irgendein Insekt oder eine Spinne?“

„Um Himmels Willen!“, ruft Trent und springt vom Tisch auf. Dann fällt ihm auf, dass er sich komisch benimmt, und er geht eine neue Flasche Iced Chai Latte holen. Als er zurückkommt, zeigt er, dass er „Ratte“ aufgeschrieben hatte.

Er würfelt und ist erleichtert, dass er die Katze erwürfelt hat. Sein Blick wandert zwischen dem Pudel Lupo und der Katze hin und her. „Schnabeltier!“, sagt er dann.

Korrekt!“, lobt die Katze und wendet sich an Frau Rüther. „Pferd!“, sagt die Katze, ohne zu zögern.

Frau Rüther schaut gespielt empört unter ihren Augenbrauen zur Katze. Dann zaudert sie noch ein wenig mit der Antwort, um es spannender zu machen, und lässt ihren Kopf sanft hin- und herpendeln.

Stimmt!“, ruft sie dann und spricht das Wort zweisilbig aus. Sie hält ihren Zettel hoch, auf dem „Islandpferd“ steht.

Frau Rüther kann jetzt nur noch den Tatzelwurm befragen. „Katze!“, ruft sie.

Der Tatzelwurm ist kurz irritiert, bemerkt dann aber, dass Frau Rüthers Augen immer größer zu werden scheinen. Gleichzeitig hat sie die Mundwinkel hochgezogen und den Mund so weit geöffnet, als wollte sie den ersten Vokal rufen.

„Eigentlich“, antwortet der Tatzelwurm ausweichend: „Eigentlich habe ich zwei Tiere aufgeschrieben. Meine erste Wahl wäre Triceratops, aber falls das nicht gelten sollte, würde ich mich auch für ein Pferd entscheiden.“

Claudia Rüther ist nun dran und benötigt nur Sekunden, um ein Thema zu finden: „Was macht ihr eigentlich beruflich?“

Claudia!“, ruft die Katze und versucht, so kontrolliert zu klingen wie immer: „So geht das Spiel nicht. Hier geht es mehr um die innere Haltung. Was gefällt dir? Was magst du? So etwas…“

„Klar, die innere Haltung gehört auch zum Beruf dazu. Das wäre ja noch schöner!“, sagt Frau Rüther nickend und stimmt scheinbar zu. Gleichzeitig hat sie gewürfelt und ausgerechnet die Katze ausgewürfelt.

Die Kritische Katze spannt ihren gesamten Körper an.

Komm schon, K.!“, ruft Trent: „Wir können die Frage doch ausnahmsweise gelten lassen.“ Trent hadert damit, dass er seinen Freunden bislang nichts von seinen nächtlichen Erkenntnissen über Frau Rüther berichtet hat. Jetzt ist er ganz gespannt darauf, was sie wohl behauptet beruflich zu machen.

Die Katze schreibt schnell ein paar Worte auf zwei Zettel und schiebt einen davon Trent zu, den anderen dem Tatzelwurm.

Selbstverständlich, Trent“, sagt sie dann feierlich: „Ich bin ganz bei dir. Für den Fall, dass jemand ganz Neues in die Runde aufgenommen wird, der alle anderen zuerst kennenlernen muss, hat dieses Spiel eine Sonderregel, Claudia.

„Du kannst jetzt drei Fragen stellen – nur drei, da ist das Spiel leider sehr streng. Und es müssen Fragen sein, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können und die sich immer nur an eine Person richten. Ich habe gerade die Rollen verteilt. Eine Person von uns wird dir alle Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Eine andere Person wird immer das Gegenteil der Wahrheit sagen und die dritte Person wird völlig zufällig antworten. Wir drei wissen, wer von uns welche Rolle spielt.

„Du musst nun mit deinen drei Fragen herausfinden, wer von uns welche Rolle spielt: wer spricht die Wahrheit, wer lügt, wer ist der Zufall? Wenn du das schaffst, bekommst du auf alle Fragen eine Antwort.“

„Ach, das ist wie in diesem Film mit David Bowie!“, murmelt Trent.

„Trent hat recht„, kommentiert die Katze lächelnd und streichelt Lupo: „Es ist so ähnlich, nur nicht ganz so einfach.“

Claudia Rüther bläst die Backen auf und schüttelt den Kopf. Ihre Stimme klingt ein wenig verletzt, als sie sagt: „Das war doch eine ganz normale Frage zum Kennenlernen, oder nicht? Ich interessiere mich eben für meine Mitmenschen.“

Dann lehnt sie sich zur Kritischen Katze, lächelt kokett und sagt: „Du bist doch bestimmt derjenige, der immer die Wahrheit sagt, stimmt’s?“

Ja.“, sagt die Katze und zwinkert.

Claudia lächelt verständnisvoll und sagt: „Ach schade. Dabei wirkst du doch sonst immer so souverän! Deshalb verbringen wir doch alle so gerne Zeit mit dir: weil du uns nicht beweisen musst, dass du die schlaueste Person im Raum bist! Tut mir leid, wenn wir dich heute auf dem falschen Fuß erwischt haben.“ Bei den letzten Sätzen lächelt sie besonders Trent und den Tatzelwurm an.

„Sie… äh… du musst deine Frage beginnen mit: ‚Was würdest du sagen, wenn ich dich fragen würde…‘, Claudia“, versucht der Tatzelwurm zu helfen.

„Was würdest du sagen, wenn ich dich fragen würde, wer der größte Spielverderber hier am Tisch ist?“, fragt Claudia den Tatzelwurm.

Dann stößt sie plötzlich einen schrillen Schrei aus: „Oh nein! Ich glaube, der Herd ist noch an! Komm, Lupo, wir müssen ganz schnell hoch! Tut mir leid, Jungs, wir spielen beim nächsten Mal genau an dieser Stelle weiter.“ Dann schnappt sie sich ihren Hund und läuft schnell ins Haus.

„Beim nächsten Mal Stadtpark?“, fragt der Tatzelwurm in die verbliebene Runde.

Billy Joel: Leningrad

Jahr1989
LandUSA
GenreFolk Rock
Aha-Momente„Es sind noch drei Pizzaschnecken übrig. Soll ich noch welche machen?“, fragt der Tatzelwurm, als er mit der Kritischen Katze und Trent zurück in der Wohnung ist.
„Ich habe keinen Hunger mehr.“, grummelt die Katze.
„Ach komm schon! So schlimm war’s gar nicht. Wir hätten doch auch einfach sagen können: wir sind Musiker.“, findet der Tatzelwurm.
Ich will jetzt Musik schauen!“, fordert die Katze und nimmt sich eine Pizzaschnecke: „Von echten Musikern! Billy Joel feiert heute seinen 77. Geburtstag.“
“Das passt.“, sagt der Tatzelwurm: „Billy Joel hat diesen einen Song geschrieben über Leute, die man immer für Feinde gehalten hat und die sich dann als ganz nett herausstellen. Bei dem Song muss ich immer weinen – hey, Trent, warum bist du so wortkarg?“
“Erzähl ich euch später.“, antwortet Trent.
Hookline / Ohrwurm-Moment“Ah, Kunst! Jetzt geht es mir gleich besser!“, sagt die Katze erleichtert: „Von all den großartigen poetischen Texten, die Billy Joel geschrieben hat, ist dies einer der besten!“
Der Tatzelwurm und Trent knabbern an ihren Pizzaschnecken und haben beide feuchte Augen.
Visuelle Highlights“Viele Aufnahmen im Video zeigen den echten Viktor.“, weiß der Tatzelwurm: „Und da ist wirklich Billys Tochter Alexa!“
“Er hat seine Tochter nach seinem Boot benannt?“, witzelt Trent.

Shaboozey: Born To Die

Jahr2026
LandUSA
GenreCountry
Aha-MomenteKomisch!“, grübelt der Tatzelwurm: „Wir hatten gar nicht die Kategorie ‚Liebste Freizeitbeschäftigung‘ – die hat man doch sonst immer.“
„Was hättest du denn das hingeschrieben?“, fragt Trent: „Dieses Spiel spielen?“
„Vielleicht: mich für etwas begeistern lassen und versuchen, auch andere zu begeistern!“, antwortet der Tatzelwurm.
„Das ist keine Freizeitbeschäftigung!“, kritisiert die Katze: „Das ist dein emotionaler Betriebszustand.“
„Oh“, sagt der Tatzelwurm leise und ergänzt nach ein paar Sekunden verträumt: „Dann hätte ich vielleicht das geschrieben.“
Und als wäre er plötzlich aufgewacht, ruft er: „Hey! Mögt ihr Shaboozey? Der wird heute 31!“
Hookline / Ohrwurm-Moment„Ganz schön clever für einen Country-Song!“, findet der Tatzelwurm.
„Man kann es schön mitpfeifen.“, findet Trent und pfeift mit.
„Man kann alle Country-Songs mitpfeifen.“, behauptet die Kritische Katze: „Aber zu diesem kann man eben auch anständig tanzen und dabei diese wirklich gekonnte Vocal Delivery bewundern – so eine Stimme und dazu eine Pedal Steel Guitar hört man auch nicht alle Tage!“
Danach wird es wieder laut in der WG und alle tanzen über die Couch.
Visuelle Highlights„Was für ein aufwändiges Video!“, kommentiert Trent: „Schade, dass es keine Filmszenen sind – den Film hätte ich sehen wollen!“

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