Lying at the Discotheque

Die Kritische Katze ist damit beschäftigt, einen Obstsalat zusammenzustellen, als Tatzelohrwurm am Nachmittag ins Ohrwurmzimmer kommt.

Sie schaut mit ernstem Gesicht auf und sagt zur Begrüßung: „Ah, mein geschmackvoller Freund! Heute gilt es wieder, mehrere Geburtstage zu begehen. Daher möchte ich sicherstellen, dass wir ausreichend mit Vitaminen versorgt sind.“

Der Tatzelwurm weiß nicht, wie ihm geschieht, aber er fühlt sich sofort unter Druck gesetzt; heute liegt ihm besonders der 47. Geburtstag von Sophie Ellis-Bextor am Herzen – aber bezweifelt, dass die Kritische Katze diese popmusikalische Vorliebe besonders geschmackvoll finden würde.

Die Katze greift zu einer Mango und schneidet sie – der Tatzelwurm beobachtet das mit wachsender Unruhe und ist sich sicher, dass die Katze darauf anspielt, dass die italienische Sängerin Angelina Mango heute 25 wird.

„Hah! Candy für die Augen, nicht wahr?“, ruft die Katze stolz und präsentiert die Glasschüssel mit dem bunten Obstsalat, den sie mit frischer Minze dekoriert hat.

Candy? Das kann kein Zufall sein. Der Tatzelwurm merkt, dass ein Schweißtropfen über seine Stirn läuft . Stimmt ja: Mandy Moore, die mit 15 Jahren 1999 mit Candy einen Hit hatte, auf den die Kritische Katze („eine unterschätzte Perle, die von Prince aus seiner besten Zeit stammen könnte!“) und Olivia Rodrigo große Stücke halten, hat auch heute Geburtstag und wird 42.

Damit sind es zwei, also mehrere Geburtstage. „Ja, hast recht.“, sagt der Tatzelwurm etwas geistesabwesend: „Das reicht dann ja auch…“

Reicht?“, fragt die Katze schnippisch: „Was meinst du mit ‚reicht‘? Sieht das nicht atemberaubend schmackhaft aus? Fehlt dem feinen Herrn etwas?“

„Was? Nein!“, ruft der Tatzelwurm, als ihm klar wird, dass für die Katze der Obstsalat im Fokus steht: „Das sieht aus, als hätte es sehr viel Taste! Dazu vielleicht A Spoonful of Sugar?“ Der Tatzelwurm blinzelt nervös.

Die Katze runzelt die Stirn und mustert ihren Mitbewohner skeptisch: „Warum redest du so seltsam, Mary Poppins? Willst du mir irgendetwas sagen? Außerdem hatte ich gedacht, dass du dazu gut Pfannkuchen machen könntest.“

„Pfannkuchen!“, ruft der Tatzelwurm: „Ausgezeichnete Wahl! Ich fange sofort mit dem Teig an.“

„Mmhm!“, macht die Katze und lässt den Tatzelwurm nicht aus den Augen: „Und was ist jetzt die versteckte Botschaft?“

„Gibt keine“, entgegnet der Tatzelwurm so locker wie möglich. Als er ein paar Minuten später mit dem Schneebesen den Pfannkuchenteig verrührt, denkt er sich: „Jetzt oder nie“ und fügt hinzu: „Du sagst immer, dass du nicht viel von Musik aus den 2000ern hältst, stimmt’s?“

„Den 2000ern waren die 90er peinlich, weil sie so impulsiv dahergekommen waren. Das habe ich gesagt.“, antwortet die Katze hinter ihm: „In den 2000ern musste alles kontrolliert und tanzbar sein und am besten aus einer Casting-Show kommen. Warum fragst du?“

„Nur so“, weicht der Tatzelwurm aus: „Manchmal gehen mir so Dinge nochmal durch den Kopf, die du gesagt hast.“

„Ich spreche ausschließlich in Aphorismen.“, kommentiert die Kritische Katze trocken: „Aber wie kommst du denn nun ausgerechnet auf die 2000er?“

„Nur so!“, bekräftigt der Tatzelwurm seine frühere Aussage: „Ich hatte damals wohl die ein oder andere Phase, die man rückblickend auch peinlich finden kann.“

„Wer nicht?“, sagt die Katze langsam: „Über was sprechen wir hier eigentlich? Gib doch mal ein Beispiel!“

„Ach, ich weiß nicht mehr, wie die hieß.“, behauptet der Tatzelwurm und klappert mit der Pfanne.

Die? Eine Künstlerin?“, bohrt die Katze: „Wir kommen bestimmt gemeinsam drauf. Oder ist es derart peinlich? Ist es Rihanna?“

Der Tatzelwurm schüttelt den Kopf und ist ansonsten sehr beschäftigt. „Bin mir nicht mehr sicher.“, sagt er schließlich.

„Wenn es Kanye West ist, gehe ich!“, droht die Katze: „Über alles andere kann man reden.“

Der erste Pfannkuchen ist fertig und der Tatzelwurm lässt ihn auf einen Teller gleiten, den er der Katze in die Pfoten drückt.

„Sing mal!“, fordert die Katze auf, als sie am Tisch sitzt.

„Was?“, fragt der Tatzelwurm erschrocken.

„Einen Song von dieser ominösen Interpret:in oder Band – sing mal!“, stichelt die Katze hartnäckig.

„Ich kann nicht gut singen.“, wiegelt der Tatzelwurm ab.

„Stimmt“, bestätigt die Katze und stellt ein Schüsselchen Vanilleeis auf den Tisch: „Aber du sollst ja auch kein Konzert geben. Für hier reicht’s.“

Der Tatzelwurm entscheidet sich notgedrungen für einen neueren Song, von dem er glaubt, dass ihn außer ihm selbst kaum jemand kennt und beginnt leise:
Through all the crazy times
All of the lows and highs
…“

Love’s all there is, is all we know of love.“, fährt die Katze lauter fort.

And if we hit the mountain slide…“ singt der Tatzelwurm jetzt etwas lauter.

We only hold each other tight.“, singt die Katze noch lauter.

Yeah, we’ll laugh and love UNTIL THE WHEELS FALL OFF!“, grölen schließlich beide zusammen.

„Hihi, so’n Quatsch, nicht wahr?“, kichert der Tatzelwurm.

Es wird ganz still.

Die Katze isst nicht weiter, sondern mustert den Tatzelwurm mit ernstem Gesicht.

„Sag mal: Willst du mich auf den Arm nehmen?“, fragt sie langsam: „Du redest von S.E.B.! Der Göttin des flamboyanten Understatements! Der Schutzpatronin all jener, die nie als Erste genannt werden, aber konstant abliefern! Der Göttin der awkwarden Tanzbewegungen als Coolness! Du weißt schon: dieses… storchartige Herumgestakse, das eigentlich genial ist! Und du nennst das peinlich? Bist du noch ganz dicht???“

Der Tatzelwurm könnte nicht überraschter sein: „S.E.B. ist eine Göttin?“

„Wenn S.E.B. keine Göttin wäre, dann hätte das Pantheon ein ernsthaftes Besetzungsproblem!“, wettert die Katze: „Ohne S.E.B. wäre der Groovejet eine Bleiente! Ohne S.E.B. kein Breaking the Circle als Versprechen! Ohne S.E.B. keine unerbittliche Liebe!“

Dann springt die Katze auf ihren Stuhl, zeigt auf den Tatzelwurm und schreit:

„Bestes Album?“ „Perimenopop?“, rät Tatzelohrwum.

„Richtig. Unterschätztestes?“ „Hana.“

„Beste Aufnahme?“ „Live in ihrer Küche“

„Bester Song?“ „Stay on me.“

„Aus den 2000ern?“ „Murder on the Dancefloor.“

„Bestes Remix?“ „Groovejet von Purple Disco Machine und Lorenz Rhode vom RTO Ehrenfeld.“

„Damit kann ich arbeiten.“, sagt die Katze: „Nur beim besten Song würde ich eine andere Wahl treffen. Get Over You ist objektiv der beste Popsong der 2000er und S.E.B.’s bester Song.“

Sophie Ellis-Bextor: Get Over You (Katzenfavorit)

Jahr2001
LandUK
GenreDisco
Aha-MomentePlatin in Australien und Neuseeland.
„Wenn schon das Wasser anderssinnig abfließt, muss man sich wenigstens seinen Sinn für Stil behalten!“, sagt die Katze anerkennend.
Hookline / Ohrwurm-MomentAy-ay-ay-ay!“, singt die Kritische Katze und lässt einen Pfannkuchen auf ihrer Kralle kreisen.
You drive me crazy up the wall!“, brummt der Tatzelwurm mit dem Maul voller Obststücken und Vanilleeis.
Visuelle Highlights„Die Schaufensterpuppenverkleidung ist toll!“, findet der Tatzelwurm: „Man kann sogar sehen, welche Teile beweglich sein sollen.“
„Vermutlich eine Retourkutsche an all jene, die S.E.B. für Plastikpop halten.“, ergreift die Katze die Deutungshoheit: „Und von denen du dich viel zu sehr beeinflussen lässt!“
Dass Sophie mit puren Gesten Glas zum Bersten bringen kann, findet der Tatzelwurm „geil“.
Angemessen.“, findet es die Katze.

Sophie Ellis-Bextor: Stay On Me (Drachenfavorit)

Jahr2025
LandUK
GenreDisco
Aha-MomenteDie „Blutige Mabel“ Selena Gomez hat diesen Song nicht nur mitgeschrieben – man hört sie auch im Hintergrund „Stay on me“ singen.
Hookline / Ohrwurm-MomentEndlich ein Song, bei dem der Bass das Hauptinstrument ist! Der Kontrast zu Sophies Stimme, den gläsern klingenden Synth-Intervallen und der groovenden Gitarre macht für den Tatzelwurm ganz wesentlich den Reiz des Songs aus.
Visuelle HighlightsDas irische Kerry wird hier ebenso aufsehenerregend in Szene gesetzt wie S.E.B. selbst, die sich scheinbar die ganze Zeit mit dem Text des Songs beschäftigt. „Da bekomme ich direkt wieder Fernweh!“, seufzt der Tatzelwurm.

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