- Herbert Grönemeyer: Musik nur, wenn sie laut ist (live in Leipzig)
- Taylor Swift & Panic! at the Disco: ME!
„Guchokipanya!“, ruft Tatzelohrwurm, als er zur Wohnungstür hereinkommt und seinen Fahrradhelm an den Wandhaken hängt.
„Wie lange hast du geübt?“, fragt die Kritische Katze. Ihre Stimme kommt aus dem Schlaf- und Arbeitszimmer des Tatzelwurms, so dass diesem sofort klar ist, dass sie wieder in seinem Comicregal stöbert.
„Die ganze Fahrt lang“, berichtet der Tatzelwurm. Er ist durch die Stadt und am Fluss entlang gefahren und hat Kuchen in einem Café gekauft.
Die Katze kommt mit leeren Pfoten ins Ohrwurmzimmer, wie das Wohn- und Esszimmer der WG intern genannt wird. Der Tatzelwurm schaut sie fragend an und macht: „Na?“
„Na?“, fragt die Katze zurück und inspiziert den Kuchen: „Hmm! Käsekuchen mit Mandarinen! Haben wir nicht eigentlich Frühling? Gab’s keinen mit Rhabarber oder Erdbeeren?“
„Wann warst du das letzte Mal draußen?“, fragt der Tatzelwurm rhetorisch: „Keinen passenden Comic gefunden?“
„Deine Manga-Auswahl lässt zu wünschen!“, sagt die Katze vorwurfsvoll: „Ich habe mich für die Kiki-Fortsetzungen interessiert.“
Gestern hat die WG auf Initiative der Kritischen Katze „Kikis kleiner Lieferservice“ geschaut. Der Film wurde mehrfach pausiert, weil die Katze dem Tatzelwurm erläutern musste, dass der Name der Bäckerei Gütiokipänjä ein Schachtelwort aus den japanischen Wörtern für Stein, Schere, Papier und Bäckerei ist.
„Die Fortsetzungen sind keine Manga.“, erklärt der Tatzelwurm: „Wolltest du herausfinden, ob Kiki und Jiji wieder miteinander reden können? Können sie doch bestimmt, wenn Kikis magische Kräfte wieder zunehmen.“
„Glaub ich nicht.“, sagt die Katze und sinkt auf ihren Stuhl am Esstisch: „Ich glaube, dass sie nie miteinander sprechen konnten. Kiki hat nur einen Teil ihrer kindlichen Gedankenwelt externalisiert. Jiji hat zwar bestimmt immer verstanden, was Kiki von ihm wollte, und ist ungewöhnlich mutig, wie wir gesehen haben. Aber er hat nie gesprochen – Katzen reden nicht.“
Der Tatzelwurm lässt irritiert die Kaffeemühle sinken: „Aber…“
„Normale Katzen.“, präzisiert die Kritische Katze.
„Vielleicht ist Jiji eine Kritische Katze?“, mutmaßt der Tatzelwurm.
„Quatsch!“, ruft die Katze brüsk: „Lily vielleicht! Aber nicht Jiji. Schau dir nur seinen Geschmack an, was Kaffeetassen angeht!“
„Schade, ich mag sprechende Tiere.“, sagt der Tatzelwurm und bringt seine Kaffeezeremonie zu Ende: er lässt das gekochte Wasser zwei Minuten lang abkühlen (dazu geht er einmal den ganzen Text von We Didn’t Start The Fire im Kopf durch), verrührt dann Wasser und Kaffeepulver in der French Press und wartet vier Minuten (einmal Wild is the Wind im Kopf), bis er das Sieb hinunterdrückt.
Dann ruft er: „Kaffee ist fertig! Für dich heute die rosa „But first coffee„-Tasse mit dem Pummeleinhorn oder die „Coffee – because murder is wrong„-Tasse mit der lustigen schwarzen Katze drauf?“
„Ich muss jetzt dringend Musik hören.“, sagt die Katze und hat es plötzlich eilig, die Unterhaltung zu beenden.
Herbert Grönemeyer: Musik nur, wenn sie laut ist (live in Leipzig)
| Jahr | 2011 |
| Land | Deutschland |
| Genre | Hard Rock |
| Aha-Momente | Herbert Grönemeyer feiert heute seinen 70. Geburtstag. Als er vor 15 Jahren mit seinem Album Schiffsverkehr auf Tour war, war Musik nur, wenn sie laut ist auch schon 28 Jahre alt. Bassist Norbert Hamm, der bei diesem Song immer besonders zur Geltung kommt, war von Anfang an dabei. „Was für ein todtrauriger Song!“, findet der Tatzelwurm. „Warum?“, fragt die Katze: „Weil du denkst dass es um eine gehörlose Frau geht? Das wäre nicht traurig, sondern real! Und der Song sagt, dass man trotzdem Spaß am Leben haben kann.“ |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | Die WG ist ebenso textsicher wie die Zuschauerinnen und Zuschauer in Leipzig und grölt den gesamten Text mit. Grönemeyer ist immer am besten, wenn er grollen, brüllen und brummen kann wie hier. |
| Visuelle Highlights | Eine weise Entscheidung, Herbert eine Bühne zu geben, auf der er lange Laufstrecken hat – ansonsten neigt er nämlich dazu, awkward auf der Stelle zu tanzen wie ein Tanzbär. „Ich frage mich, ob er ein Tatzelwurm ist.“, sagt die Katze nachdenklich. |
Taylor Swift & Panic! at the Disco: ME!
| Jahr | 2019 |
| Land | USA |
| Genre | Glam |
| Aha-Momente | Als Taylor 2019 Brendan Urie ansprach, um einen Song mit ihr aufzunehmen, von dem sie schon genaue Vorstellungen hatte, war Panic! at the Disco schon längst keine Band mehr, sondern Brendans Alter Ego. Heute wird Brendan Urie 39 Jahre alt. Taylor selbst wollte ihre Reputation-Phase mit diesen ganzen Schlangen hinter sich lassen, wie der Anfang des Videos unterstreicht. ME! war die Vorabsingle zu Lover. „Warum reden Taylor und Brendan französisch?“, fragt der Tatzelwurm, dem es lieber wäre, wenn er keine Untertitel lesen müsste. „Je ne sais pas“, knurrt die Katze, die grundsätzlich bei Taylor-Swift-Musik keine Unterbrechungen wünscht: „Hör lieber genau hin: im Hintergrund läuft You Need To Calm Down, das ja damals noch niemand kannte. Und Brendan sagt ständig: „Calme-toi, s’il te plaît.“ |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | ME! ist in jeder Hinsicht komplett drüber: Marching-Band-Getrommel, Fanfarenstöße, die gelegentlich überschnappende Stimme von Panic! at the Disco am Rande der Theatralik-Illegalität und Taylors „Hihihi“-Gekicher, mit dem sie allen Langweilern die Zunge herausstreckt, die ihr sagen möchten: „Das ist jetzt aber wirklich kein Country mehr! Das ist ja Bubblegum-Pop!“ „Und dann: One of these things is not like the others!“ ruft die Katze. Jetzt fällt es auch dem Tatzelwurm auf: „Das ist ja aus Sesame Street!“ |
| Visuelle Highlights | Bei Taylor Swift gibt es immer mehr visuelle Highlights, als man aufzählen kann – und diesmal wird es völlig absurd (sie hat Kleider mit Superkräften!): Niemand ist so versessen auf Farbschemata wie Taylor Swift! Die Pflastersteine, über die das Schlangentier am Anfang kriecht, etablieren das Lover-Farbschema, das im Video konsequent durchgehalten wird. Taylors Katzen als ihre Töchter! Die Kritische Katze kann jedesmal herzlich darüber lachen. „There’s a lot of cool chicks out there!“ Als Taylor diese Zeile singt, hängt hinter Brendan ein Bild der Dixie Chicks. Kurz bevor Taylor das Gebäude verlässt, wird sie von einer Tatzelwurmwolke angefallen. „Das! Schau!“, quietscht die Katze: „Das bist du!“ Taylor Tanzszene im gelben Anzug hat sie eventuell selbst zu ihrem Video zu The Man inspiriert, glaubt der Tatzelwurm. Der Hinweis, auf den die Fans gewartet haben: der Cover-Schriftzug der Lover-Albums ist in der Szene mit dem Einhorn-Wasserspeier im Hintergrund zu sehen. Der Tatzelwurm liebt den Blick in Brendans Herz, in dem er selbst zusammen mit Taylor und einer reichlich schrägen Bühnenbesetzung auftritt. |

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