- Hootie and the Blowfish: Time (live at the Stagecoach Festival, 26.04.2026)
- Tones and I: Just a mess (live und „akustisch“ im Studio)
- Zoe Wees: Traitor
Die Kritische Katze will sich eigentlich lautlos ins Zimmer von Tatzelohrwurm schleichen, der schon den ganzen Vormittag konzentriert an seinem Laptop arbeitet, denn sie möchte dringend ihren Verdacht überprüfen, dass es in der „Legende der Drachenritter“-Comicsammlung des Tatzelwurms eine sträfliche Lücke gibt.
Stattdessen schreit sie unvermittelt laut auf und erschreckt den Tatzelwurm fast zu Tode.
Die Katze hält sich die rechte Hinterpfote und hüpft auf einem Bein auf Tatzelohrwurms Bett. Dabei flucht, faucht und quietscht sie fortwährend.
„Sag mal, willst du, dass ich einen Herzkasper kriege?“, sagt der Tatzelwurm vorwurfsvoll.
„Was musst du auch dein Spielzeug herumliegen lassen!“, schimpft die Katze vom Bett aus: „Ich bin auf so einen verfluchten KLEMMO-Klemmbaustein getreten! Die tun wirklich abartig weh!“
„Oh toll!“, freut sich der Tatzelwurm: „Den suche ich schon die ganze Zeit!“
„Um das mal zu spiegeln: Du siehst nicht suchend aus.“, spiegelt die Katze sarkastisch und streckt ihren Hals, um auf den Laptop-Bildschirm zu schauen: „Um Himmels Willen – ist das CAD? Willst du Architekt werden?“
„Hatte ich dir nicht von diesem Klemmbausteinforum erzählt, das ich entdeckt habe?“, wundert sich der Tatzelwurm: „Nein? Hier: KlotzKonnect.com – da tauschen sich Bastler und Sammler aus der ganzen Welt aus.“
„Worüber?“, fragt die Katze skeptisch.
„Naja, Basteltechniken, Ideen, was man mal in Angriff nehmen könnte,…“, zählt der Tatzelwurm auf.
„…und was blöde Ideen sind…“, ergänzt die Katze.
„Dann natürlich zu existierenden Sets, die man kaufen kann…“, fällt dem Tatzelwurm noch ein.
„…und was daran unzulänglich ist bzw. was man selbst anders gelöst hätte!“, komplettiert die Katze: „Geh mir weg mit Internetforen! Alles das gleiche Besserwissendenbiotop! Aber diese App da sieht nicht aus wie ein Forum.“
„Nein, das ist der KlotzKonnect Artist. Damit kann man eigene Sets virtuell entwerfen – natürlich nur mit Steinen, die es auch wirklich von KLEMMO gibt.“, erklärt der Tatzelwurm: „Gibt’s natürlich leider wieder nicht für Linux, aber mit Wine hab ich’s an Laufen gekriegt.“
„Du bist echt unheimlich, Chief O’Brien!“, lobt die Katze: „Kostet das was?“
„Eben nicht! Das ist ja das Geniale!“, antwortet der Tatzelwurm euphorisch: „Man muss sich keine echten Steine kaufen, sondern hat aus der gesamten Produktpalette uneingeschränkte Auswahl.“
„Ohne Obergrenze?“, will die Katze wissen.
„Ohne Obergrenze durch KKA!“, bestätigt der Tatzelwurm: „Aber wenn man sein Projekt beim Artists Program einreichen möchte, muss man eine Obergrenze beachten – schließlich sollen die Gewinnerprojekte wirklich für den Verkauf realisiert werden und da muss man eben Materialkosten berücksichtigen.“
„Und welches Projekt willst du einreichen?“, fragt die Katze, die nun auch an den Schreibtisch gekommen ist und neben Tatzelohrwurms Stuhl auf dem Boden kniet: „Warum brauchst du so viele terracottafarbene und grüne Steine?
Der Tatzelwurm winkt ab: „Ach, ich weiß noch nicht, ob ich es wirklich einreichen werde! Ich wollte deine Schafgarbe modellieren – deshalb habe ich das Foto hier auf dem anderen virtuellen Screen. Die Konstruktion muss natürlich stabil sein. Daran feile ich gerade; auf den Stängel können wir uns hier nicht verlassen.“
Die Katze sieht, dass der Tatzelwurm sich schon richtig in das Thema eingefuchst hat. Mit schmalen Augen fragt sie: „Bauchst du nicht viel mehr erdbraune Steine?“
„Ich hoffe nicht.“, antwortet der Tatzelwurm beiläufig: „Wenn man einen Blumenkasten modelliert und komplett mit braunen Steinen füllt, wird das Projekt zu massig und zu teuer – der Kasten bekommt eine Innenkonstruktion und lediglich eine braune Deckschicht, aus der die Pflanze herauswächst; so kann ich sie auch stabiler verankern.“
„Was ist mit Architekturprojekten?“, fragt die Katze: „Macht das jemand?“
„Ja, aber das ist schwierig„, erläutert der Tatzelwurm: „Erstens hat KLEMMO eigene Architecture Sets und außerdem muss man da immer prüfen, ob die Bauwerke jemandem gehören. Die Rechtsabteilung von KLEMMO ist da sehr vorsichtig. Was schwebt dir denn vor?“
„Kew Gardens„, antwortet die Katze leichthin.
„Kew Gardens?“, wiederholt der Tatzelwurm ungläubig.
„Naja, vielleicht nicht die ganzen Gärten mit allem Zipp und Zapp.“, lenkt die Katze ein: „Aber das Palm House mit seiner direkten Umgebung und realistischer Innenausstattung – einschließlich Balustrade.“
„Das ist viel zu komplex!“, protestiert der Tatzelwurm.
„Du verwechselst schon wieder komplex und kompliziert.“, doziert die Katze: „Das Palm House ist ein Komplex. Aber man kann alle nötigen Maße und Bepflanzungspläne in Erfahrung bringen. Außerdem ist das Ding super symmetrisch – und das meine ich nicht quantenmechanisch.“
Die Kritische Katze geht, um heiße Chai Latte zu machen („irgendwas muss man ja gegen Servatius tun“) und bringt wenig später einen großen Becher davon mit der Bemerkung: „Wir haben jetzt keine Kardamomkapseln mehr“ herein. Dann verschwindet sie wieder.
Als der Tatzelwurm am Nachmittag sein Zimmer verlässt, um Pizzateig zuzubereiten, findet er die Katze vor ihrem MacBook am Esstisch.
„Na, wie geht’s voran?“, fragt der Tatzelwurm: „Ich habe einen Weg gefunden, Klemmklotz-Schafi deutlich zu stabilisieren, indem die Blattmodule mit dem Boden verbunden werden – und es sieht so aus, als ob sie nur locker aufliegen würden!“
„Ich musste mehrfach neu planen.“, berichtet die Katze: „Trans-Clear-Steine haben andere optische Eigenschaften als Glas. Meine aktuelle Lösung ist, kleine stabile, aber dünne Parts-out-of-Parts, also POOPs, als Submodules zu entwerfen. Möchtest du meine ersten 35 Submodules für die Pflanzenteile sehen? Derzeit machen mir eher die Türen zu schaffen.“
„Gib es zu: du warst stundenlang im Forum!“, fordert der Tatzelwurm und knetet Teig.
„Sicher, parallel.“, bestätigt die Katze: „Bringt aber kaum was. Ich habe Larry aus Ohio wegen Rudeness bei den Admins gemeldet – der Penner hat mir Unfähigkeit vorgeworfen, weil er meint, Farne müsse man unbedingt in SNOT-Bauweise modellieren.“
„Puh!“, macht der Tatzelwurm: „Was ist denn das Problem mit den Türen? Es gibt doch schöne Trans-Clear-Türen.“
„Das ist ja Juniorization!“, empört sich die Katze.
„Mach doch, was du willst!“, gibt der Tatzelwurm zurück und stellt die Schüssel mit dem Teig abgedeckt in den warmen Backofen: „Warum musst du immer in kürzester Zeit überall Snobstatus erreichen?“
„Du hältst das für Snobismus?“, sagt die Katze naserümpfend: „Ich sage dir, was das Problem mit juniorisierter Bauweise ist: Sie skaliert nicht!“
Trent ist an der Tür. Er hat mit dem Tatzelwurm getextet und sich selbst zur Pizza eingeladen. Auch ansonsten ist er im Bilde: „Hab Chianti mitgebracht, Leute! Lass mal deinen Entwurf sehen, K.! Ich hoffe, du hast daran gedacht, dass man das Dach abnehmen können muss!“
Trent bleibt der Mund offen stehen, als er auf den Bildschirm des MacBooks schaut: „Was… ist das?“
„Keine Obergrenze!“, erinnert die Katze: „Das Palm House in Originalgröße! Maßstab 1:1! Bei Downsizing ist Vergröberung unumgänglich und damit auch Eleganzverlust. Stattdessen: ein begehbares Klemmbausteinmodell, in dem man auch jeder Pflanze gerecht werden kann.“
„Kein Wein mehr für K.!“, rät Trent: „Wieviele Teile bräuchte man da wohl?“
„Mindestens 40 Millionen Teile, bei sparsamer Herangehensweise mit dünnen ‚Glaswänden‘.“, weiß die Katze: „Wenn das Ganze einen gelegentlichen Windstoß aushalten und dennoch nicht unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen soll, brauchen wir wohl das Achtfache – und Innenbeleuchtung.“
„Geil!“, keucht Trent fassungslos.
„Wo soll diese Monstrosität denn bloß stehen?“, fragt der Tatzelwurm: „Und wer baut das und was kostet es?“
„Für jede Stadt auf der Welt, einschließlich London, wäre mein Klemmbaustein Palm House eine Touristenattraktion!“, behauptet die Katze: „Ich schätze die Materialkosten in London wegen des Brexit auf 4 bis 32 Millionen Pfund Sterling, also vergleichbar mit dem London Eye. Das sollte kein Problem sein!“
Der Tatzelwurm rollt zwei große runde Pizzaböden und bringt sie an den Tisch, damit sie gemeinsam belegt werden können.
„Damit könntet ihr das Artist Program gewinnen.“, meint Trent: „Mit einem Set, aus dem man eine Tatzelpizza bauen kann. Auf jeden Fall!“
Hootie and the Blowfish: Time (live at the Stagecoach Festival, 26.04.2026)
| Jahr | 2026 |
| Land | USA |
| Genre | Alternative Rock |
| Aha-Momente | „Toll! Ich finde, so eine TexMex-Pizza mit vielen Kidney-Bohnen und Jalapeños und mit Käse im Rand passt perfekt zur Musik von Hootie and the Blowfish!“, jubelt Trent. „Dann ist es eine glückliche Fügung, dass Darius Rucker, der Sänger der Band, heute seinen 60. Geburtstag feiert.“, sagt der Tatzelwurm und nimmt sich noch ein Stück. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Seine markante Stimme ist mit den Jahren nur noch markanter geworden.“, findet der Tatzelwurm: „Eigentlich unerklärlich, was er gegen die Zeit hat.“ „In den 1990ern, als er den Song geschrieben hat, konnte er das ja noch nicht wissen.“, sagt die Kritische Katze: „Er ist eben auch nur ein Mensch.“ |
| Visuelle Highlights | „Schau! Das London Eye im Hintergrund!“, ruft der Tatzelwurm, dem sein Irrtum sofort selbst klar wird. „Wohl kaum!“, korrigiert die Katze: „Stagecoach findet doch in Indio, Kalifornien, statt.“ „Also Coachella?“, fragt Trent. „Coachella ist kurz vorher.“, stellt die Katze klar: „Das Riesenrad hier ist transportabel und nur ein Drittel so hoch wie das London Eye. Gut möglich, dass es aus Klemmbausteinen besteht.“ |
Tones and I: Just a mess (live und „akustisch“ im Studio)
| Jahr | 2026 |
| Land | Australien |
| Genre | Folk |
| Aha-Momente | „Ich habe ganz am Anfang gedacht, dass Tones and I eine Band wären.“, erzählt der Tatzelwurm: „Aber es ist ja modern, dass Solokünstler:innen unter Bandnamen auftreten.“ „Deshalb können wir sagen, dass Tones and I heute ihren 33.Geburtstag feiert.“, sagt die Katze und hebt ihr Weinglas, als wolle sie mit Toni Watson anstoßen. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Der Song auf ihrem Debütalbum hat diese sehr clevere Percussion, die hier fehlt.“, erinnert sich der Tatzelwurm. „Aber das Tolle ist doch, dass sie eben nicht fehlt!“, findet die Katze: „Tonis unverwechselbare Stimme allein reicht, um den Song besonders zu machen. Man könnte auch sie nicht verkleinert nachbauen!“ |
| Visuelle Highlights | „Tones and I ist nur echt mit Cap. Das hat dazu geführt, dass ich sie überall im Alltag sehe.“, erzählt der Tatzelwurm: „Ganz oft komme ich morgens zur Bäckerei und denke mir: ah, das ist wieder Tones and I vor mir in der Schlange.“ „Ich weiß, oder?“, ruft Trent: „Ich treffe sie immer in der Bahn!“ „Allerdings hat Toni immer sehr schöne Caps an – so wie hier.“, wendet die Katze ein: „Und sie singt oft in dieser halb knienden Pose – ich stelle mir das ja anstrengend vor.“ |
Zoe Wees: Traitor
| Jahr | 2025 |
| Land | Deutschland |
| Genre | Electro Soul |
| Aha-Momente | „Das mag ich auch gerne. Weil es so reduziert ist.“, sagt der Tatzelwurm, der den dritten Ohrwurm ausgesucht hat: „Zoe Wees hat nämlich auch heute Geburtstag – sie wird 24.“ |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Könnte von Tate McRae oder Madison Beer sein, wenn die soulige Stimme nicht wäre.“, meint Trent. „Sag ich ja: totale Reduktion auf die Hookline!“, stimmt der Tatzelwurm zu: „Aber mit einer Stimme, die viel zu groß dafür ist und jederzeit die ganz große Soulwumme rausholen könnte.“ „Warum tut sie es dann nicht?“, beschwert sich die Katze: „Dieser Song, mit einem souligen Mittelteil und nochmal zwei Minuten Hooks am Ende, könnte meinetwegen gerne acht Minuten dauern! Und warum ist der Chianti alle?“ „Reduktion ist nicht K.’s Stärke.“, kommentiert Trent. „Sag bloß!“, seufzt der Tatzelwurm. |
| Visuelle Highlights | „Das sieht weniger anstrengend aus.“, sagt der Tatzelwurm. „Nicht für die Tänzer im Video!“, findet Trent: „Die müssen sich ziemlich für Zoe verbiegen. Warum spielt das Video eigentlich in einem Krankenhaus?“ „Weil die geordneten Abläufe in einem Krankenhaus die chaotische Interaktion mit anstrengenden Leuten im normalen Leben in einen stärkeren Kontrast stellen.“, antwortet die Katze wie selbstverständlich. „und warum ist es dann so dunkel?“, bohrt Trent weiter. „Tarnung„, sagt die Katze: „Und trotzdem sieht man die ordentlich gesteckten orangenen Flurwände gut. Und keine einzige Noppe! Fantastisch!“ |

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