Draußen ist es kalt und regnerisch. „Das sind die Eisheiligen!“, verkündet Tatzelohrwurm schicksalhaft, während er durchs Fenster starrt.
„Vielleicht sollten wir dann mit der Aussaat noch warten, Meister Gamdschie.“, antwortet die Kritische Katze vom Tisch aus, wo sie mit dickem Papier, Stiften, Lineal, Schere und Laptop arbeitet.
„Was machst du da eigentlich?“, möchte der Tatzelwurm wissen.
„Wir haben kein Quartettspiel.“, erklärt die Katze: „Ein unhaltbarer Zustand! Deshalb bastele ich eins.“
„Zu welchem Thema?“, fragt der Tatzelwurm, der Quartettspiele mag.
„Herausforderungen des Schicksals durch gefährliche Menschen! Und die schicksalhaften Resultate!“, verkündet die Katze.
Der Tatzelwurm denkt kurz nach. Dann sagt er begeistert: „Das ist eine gute Idee! Da kann man Aspekte bewerten wie: Grad der Selbstüberschätzung, Peinlichkeitsfaktor…“
„Glorreiches Ansinnen!“, wirft die Katze ein.
„Schmerzhaftigkeit!“, ergänzt der Tatzelwurm.
„Überlebensinstinkt!“, zählt die Katze noch auf.
„Werden die Karten illustriert? Darf ich Explosionen malen?“, fragt der Tatzelwurm enthusiastisch.
„Meinetwegen!“, gestattet die Katze: „Haben wir noch einen Klebestift, der nicht eingetrocknet ist? Dann kannst du auch Bilder aufkleben, wenn du möchtest. Und weißt du, ob Trent ein Laminiergerät hat?“
Die Katze hat bereits 48 Karten sorgfältig ausgeschnitten und ihnen zuvor ein einheitliches Layout gegeben. Nun trägt sie mit ihrem Füllfederhalter in Schönschrift die Kategorien ein.
„Wir haben jetzt fünf Kategorien, aber ich habe sechs vorgesehen.“, hadert die Katze.
„Wie wär’s mit: Bravado?“, schlägt der Tatzelwurm vor und rudert sofort wieder zurück: „Ach nein: wir haben ja schon: Glorreiches Ansinnen.“
„Bravado und glorreiches Ansinnen sind beileibe nicht dasselbe!“, stellt die Katze klar: „Aber Bravado korrespondiert mit der Kombination aus Selbstüberschätzung, Peinlichkeit und glorreichem Ansinnen. Wir entscheiden das später.“
„Genau! Ein Problem für die Künftige Katze und Tatzelwurm of the Future!“, deklariert der Tatzelwurm.
Die Katze schreibt jetzt Namen und Texte auf die Karten und der Tatzelwurm schreibt eine Textnachricht an Trent, bevor er mit den Buntstiften anfängt, das Malen von Explosionen auf separaten Blättern zu üben.
Als er die erste fertige Karte von der Katze vorgelegt bekommt, lamentiert er: „Menno! Keine Explosion!“
So geht es ihm auch mit den nächsten Karten und er holt den Mini-Plotter, um sich Hintergründe auszudrucken, auf denen er malt, bevor er das fertige Bild aufklebt.
Es dauert nicht lange, bis auch Trent vorbeikommt und sein Laminiergerät sowie einen Stapel Folien mitbringt.
Trent wirft einen Blick über die wenigen schon laminierfertigen Karten: „François Reichelt? Aischylos? Gottfried der Bucklige? Robert Cocking? Isadora Duncan? Was sind das für Leute? NPCs für eins von K‘s Rollenspielen?“
Dann liest er den Text auf den Karten: „Das ist doch alles ausgedacht? Erschlagen von einer herabfallenden Schildkröte? Sowas kann es nicht wirklich geben!“
Schnell wird Trent in das Projekt eingeweiht und ist sofort Feuer und Flamme: „Habt ihr Dämlichkeit schon als Kategorie? Ah, ja! Und was ist mit Pech? Der Schildkrötendichter hatte ja jede Menge davon und passt gar nicht so recht in dieses Quartett der Eitelkeiten und Fledermausanzüge!“
„Wie würdest du denn Pech messen wollen?“, fragt die Katze: „Einfach in Punkten von eins bis zehn?“
Trent überlegt kurz, dann sagt er: „In Donald Duck! Wobei 1 Donald Duck unrealistisch viel Pech bedeuten würde, weil man wirklich dauernd Pech hätte. Aber Aischylos käme locker auf 70% Donald Duck!“
Der Tatzelwurm hat im Internet recherchiert: „2023 wurde ein Mann in Indien beim Pinkeln von einer Kuh erschlagen, die von einem Zug erfasst und durch die Luft geschleudert wurde! Nehmen wir den?“
„Nein, der ist ungeeignet.“, entscheidet die Katze sofort, während Trent noch lacht.
„Warum?“, will der Tatzelwurm wissen: „Der hatte doch bestimmt auch mindestens 66% Donald Duck! Stell dir das mal vor: der arme Kerl! Und erst die Kuh!“
„Aber ansonsten vermisse ich da jegliches Aspirationsniveau!“, kritisiert die Katze: „Eine gewisse Fallhöhe dürfen wir in unserem Quartett ja wohl erwarten. Eine Nominierung für einen Darwin Award ist beispielsweise ein brauchbarer Indikator.“
„Gibt es den noch?“, fragt der Tatzelwurm.
„Dafür gibt’s nen Preis?“, fragt Trent.
„Beides gute Fragen!“, antwortet die Katze und schreibt die Namen „Mike Hughes“ und „Herman Cain“ auf Karten.
„Du würdest auch so einen Award bekommen, K.!“, meint Trent: „Du würdest sterben, weil du irgendwann mal jemanden so sehr provoziertest, dass er mit einer Waffe auf dich losginge. Und statt wegzulaufen, würdest du seine Technik kritisieren.“
„Oh nein, der Arme!“, ruft der Tatzelwurm, der die Texte auf den neuen Karten gelesen hat.
Trent setzt sich kopfschüttelnd neben den Tatzelwurm und sammelt die Karten zusammen, die er schon laminieren kann.
„Du würdest bei den Awards aber auch nicht leer ausgehen, T.!“, sagt er.
„Ich? Wieso?“, fragt der Tatzelwurm.
„Du würdest bei irgendsoeiner Aktion sterben, bei der du Frieden stiften wolltest. Zum Beispiel: du stehst in einer Stierkampfarena zwischen dem Matador und dem heranstürmenden Stier und erklärst beiden, dass der jeweils andere es doch gar nicht so meint.“
„Hihihi!“, kichert der Tatzelwurm: „Ich würde aber keinen Fuß in eine Stierkampfarena setzen. Außer als Aktivist gegen Tierquälerei.“
„Ja doch, ich sehe die Szene ganz deutlich vor mir.“; bestätigt Trent.
„Hä?“, ruft der Tatzelwurm: „Ich verstehe das Power Grid bei Philip Contos nicht! Selbstüberschätzung: 8, Peinlichkeit: 8, Glorreiches Ansinnen: 6, Schmerzhaftigkeit des Schicksals: 5, Mangel an Überlebensinstinkt: 8, Pech: 5% – warum nur 5% und warum so ein hoher Wert für glorreiches Ansinnen?“
„Der Mann dachte doch, dass er eine Ungerechtigkeit bekämpfen müsse!“, erklärt die Katze: „Auch wenn so ziemlich alle anderen Menschen das anders bewerten würden.“
„Bekommt dann nicht jeder so einen hohen Wert?“, glaubt Trent.
„Nein, sieh mal“, sagt der Tatzelwurm: „Kurt Gödel hat da nur 1 bekommen.“
„Der war ja auch einfach nur bekloppt!“, bescheinigt die Katze: „Ein niedrigerer Wert ist auch kaum möglich.“
„Doch!“, ruft Trent begeistert: „Habt ihr von dem Typ gehört, der seinen ganzen Körper mit Scheiblettenkäse belegt…“
„NEIN TRENT!“, rufen die Katze und Tatzelwurm gleichzeitig.
„Mögt ihr frisches Wakame vom Markt?“, fragt der Tatzelwurm, nachdem er mit seiner letzten Illustration fertig geworden ist: „Ich dämpfe uns ein paar Dumplings.“
„Ich weiß nicht.“, zaudert Trent gespielt: „Sind schon Leute durch Dumplings gestorben?“
„Allenfalls durch Lebensmittelvergiftung.“, meint die Katze: „Du könntest also der Erste sein, Trent! Zeig mal ein wenig Begeisterung! Jetzt brauchst du nur noch eine Mission – du könntest Pilzfüllung hassen und sie unschädlich machen wollen!“
„Bestimmt ist aber schon einmal jemand gedämpft worden!“, ruft der Tatzelwurm, der die Dumplings im Bambus-Dämpfeinsatz unterbringt.
„Keine krummen Dinger, Drache!“, ruft die Katze zurück: „Wehe, wenn das keine Pilzfüllung ist!“
Sabrina Carpenter: Taste
| Jahr | 2024 |
| Land | USA |
| Genre | Country-Pop |
| Aha-Momente | “Es sind schon ziemlich viele Männer an Sabrina Carpenter gestorben.“, sagt der Tatzelwurm nach dem Essen: „Jedenfalls in ihren Videos. Das hatte auch immer mit Selbstüberschätzung zu tun. Und heute feiert Sabrina ihren 27. Geburtstag.“ „Ist das die mit Espresso?“, fragt Trent: „Ich glaube, von der kenne ich gar nichts Anderes…“ „Sabrina macht auch keine Musik für Männer, sondern eher über sie.“, stellt der Tatzelwurm klar: „Es ist immer, als würde sie einer Gruppe Gleichgesinnter Insider Jokes erzählen. Ich glaube aber schon, dass man sich angesprochen fühlen darf.“ „Klar. Man muss sich ja nicht be-sprochen fühlen.“, sagt die Katze. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Der Text ist ja totales Ragebait!“, lacht Trent. „Und die fröhliche Melodie macht es nicht versöhnlicher.“, findet der Tatzelwurm. |
| Visuelle Highlights | „Über Geschmack kann man nicht streiten!“, proklamiert die Katze: „Komisch, dass Sabrina und Wednesday/Jenna hier trotzdem genau das tun und zwar wie in Der Tod steht ihr gut – muss am Text liegen.“ „Mord mit Voodoo-Puppe!“, ruft der Tatzelwurm: „So einen Fall haben wir nicht in unseren Karten, oder?“ „Weil man niemanden mit Voodoo töten kann, T.!“, sagt Trent. „Mit Zombies schon!“, insistiert der Tatzelwurm. „In deinem Fall würde ich es als Richter ganz klar als versuchten Mord ansehen.“, sagt die Katze. |
The Animals: The House of the Rising Sun
| Jahr | 1964 |
| Land | UK |
| Genre | Blues Rock |
| Aha-Momente | „Ich hätte ja gedacht, dass wir heute eher die Animals oder War hören.“, wundert sich Trent: „Immerhin wird Eric Burdon heute 85. Und ihr steht doch so auf Blues.“ „Den hätten wir nicht vergessen.“, beruhigt die Katze: „Der passt nur nicht zum Thema.“ |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Ich denke immer an diese paar E-Gitarrenakkorde am Anfang, wenn ich den Titel des Songs irgendwo lese.“, erzählt der Tatzelwurm: „Dabei wird der Song vor allem durch Erics großartige Stimme und die wilde Orgel getragen.“ „Damit ist Hilton Valentine unsterblich geworden.“, muss die Katze anerkennen. |
| Visuelle Highlights | „Erics Gesicht spricht Bände!“, amüsiert sich der Tatzelwurm: „Vermutlich fand er die Filmaufnahmen ziemlich albern. Ich wüsste aber gerne, warum Hilton am Ende so grinst.“ „Der freut sich einfach nur darauf, nach dem Dreh mit dem Rest der Band Quartett zu spielen.“, vermutet die Kritische Katze. |

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