- The Last Dinner Party: This is the Killer Speaking
- Linkin Park: The Emptiness Machine (live at Wembley, 28. Juni 2025)
Vorbereitungen
Trent steht schon um 9 Uhr morgens auf der Matte und hat seine gepackte Schwimmtasche dabei. Tatzelohrwurm ist unvorbereitet, aber erfreut, dass Trent die lockere Verabredung ins Spaßbad zu gehen noch in Erinnerung hat.
Schnell packt er ebenfalls zusammen, was er mitnehmen möchte: seine orange Badehose, zwei große Handtücher, Duschgel, seine Schwimmbrille und einen kleinen gelben Ball. Als er nach Münzen für den Spind sucht, fällt ihm auf, dass die Kritische Katze in aller Seelenruhe am Tisch sitzt und in einem ElfQuest-Comic liest.
„Hast du schon gepackt?“, fragt der Tatzelwurm irritiert.
„Hatte ich das nicht gesagt?“, entgegnet die Katze: „Ich kann leider nicht mitkommen.“
„Du kannst nicht?“, grübelt der Tatzelwurm.
„So gerne ich euch auch begleitet hätte bei der geselligen halbnackten Körperlichkeit im fröhlich gechlorten Nass“, verkündet die Katze: „Aber leider ist mein Probetraining im Speerwurf ausgerechnet für heute angesetzt.“
„Ist ja nicht so schlimm, K.!“, beschwichtigt Trent: „Wir können ja jederzeit nochmal ins Spaßbad.“
„Speerwurf?“, wiederholt der Tatzelwurm, als ob er Trent nicht gehört hätte: „Um nicht mitzumüssen, hast du dir ausgerechnet…“
„Speerwurf“, unterbricht die Katze: „ist eine klassische, edle und technisch überaus anspruchsvolle Form der Leibesertüchtigung! Kritische Katzen gehören bekanntermaßen zu den präzisesten und tödlichsten Speerwerfern der Geschichte. Als unverzichtbare Stützpfeiler aller erfolgreichen Armeen, nicht erst angefangen bei den Truppen des Agamemnon, über das Heer Alexanders…“
„Wir müssen los!“, unterbricht diesmal der Tatzelwurm: „Wir wollen ja den Bus erwischen – bei dem Wetter macht es keinen Spaß mit dem Fahrrad.“
„Ich wünsche euch viel Spaß!“, ruft die Katze fröhlich zum Abschied.
Training
Es ist fast 14 Uhr und hat zu regnen aufgehört, als die Kritische Katze am Übungsplatz des städtischen Leichtathletikvereins ankommt.
Zuvor hat die Katze den Vormittag damit verbracht, den Speerwurf-Fall von Antiphon im Internet zu recherchieren und die besten Würfe von Katharina Molitor, Christin Hussong und Julian Weber auf YouTube genau zu studieren. Auf dem Weg zum Sportplatz hat sie außerdem einen Umweg zur Universitätsbibliothek gemacht, um in Philostrats Gymnasticos zu schmökern und Sekundärliteratur dazu zu sichten.
Derart vorbereitet betritt die Katze den Platz und erkennt den Trainer sofort, mit dem sie heute Morgen telefoniert hat: ein großgewachsener Mann um die 60, der einen dunkelblauen Hoodie mit dem Emblem der New England Patriots trägt, eine Trillerpfeife an einer Schnur um den Hals und eine weiße Schirmmütze, auf der der Kopf eines Weißkopfseeadlers abgebildet ist. Er steht in einer Gruppe von Männern zwischen 30 und 70, in der jeder mit jedem zu reden scheint.
Der Trainer wird sofort aufmerksam, als die Kritische Katze auf ihn zukommt: „Ah, da sind Sie ja! Da kann ich Sie ja gleich allen vorstellen.“
„Wir hatten telefoniert.“, sagt die Katze anstelle einer Vorstellung, reicht dem Trainer aber die Pfote.
„Richtig!“, bestätigt der Trainer: „Hans Görgens mein Name, aber hier nennen mich alle Hannes. Ja – heute sind fast alle aktiven Mitglieder hier, denn ich habe gestern nochmal einen Rundruf gestartet und gesagt, dass wir den Winterschlaf jetzt offiziell beenden und den Eisheiligen einfach mal zuvorkommen. Hahaha! Stimmt doch, Rudi?“
„So hast du das gesagt.“, bestätigt ein älterer Mann in kurzer Sportkleidung, der direkt neben dem Trainer steht und kichert.
„Ja – schön, dass das so kurzfristig geklappt hat bei Ihnen“, fährt der Trainer fort: „Aber es schien ja auch dringend zu sein…“
„Ich kann’s eben kaum erwarten!“, erklärt die Katze und versucht, dabei freundlich zu lächeln: „Fangen wir gleich an?“
„Wir fangen an, wie wir immer anfangen“, sagt der Trainer mit tadelndem Tonfall: „Zuerst singen wir immer die Vereinshymne. Ich habe dir den Text ausgedruckt, damit du mitmachen kannst – ich kann doch „du“ sagen?“
Die Männer stellen sich jetzt im Kreis auf und fangen an, zur Melodie von We Will Rock You zu singen: „Jetzt wird’s, jetzt wird’s… sportlich!“ und danach den Rhythmus zu klatschen. Dies wiederholen sie mehrmals.
Die Katze bewegt stumm den Mund und hält ihren spärlich bedruckten Textzettel umständlich genug, um nicht klatschen zu können. Der Trainer lässt sie aber nicht aus den Augen.
„Und jetzt…“, hebt die Katze an, als die Hymne ausreichend gesungen wurde.
„Und jetzt: Aufwärmen!“, ruft der Trainer laut und alle Vereinsmitglieder traben zur Laufbahn, die um den Platz herum verläuft.
„Ich bin schon ganz warm.“, verkündet die Katze.
„Aufwärmen, hab ich gesagt!“, insistiert der Trainer und schreit über den ganzen Platz: „Locker einlaufen, bis ich pfeife!“
Widerwillig schließt sich die Katze den anderen Läufern an und stellt sofort fest, dass diese eine erheblich zügigere Vorstellung von lockerem Einlaufen haben als sie selbst.
Als der Trainer nach einigen Minuten ruft, dass nun alle Skippings laufen sollen, weckt dies erneut ihren Widerstand, aber sie macht auch hier mit, ebenso wie beim folgenden Anfersen.
Die Katze ist einigermaßen außer Atem, als der Trainer endlich pfeift. Sie macht sich sofort wieder auf den Weg zu ihm, um endlich ihr Speerwurf-Probetraining einzufordern, wird aber von einem der älteren Vereinsmitglieder überholt, das ihr fest auf die Schulter haut und ruft: „Nicht unterkriegen lassen, Sportsfreund!“
Ihm folgen weitere Vereinsmitglieder, die sich alle ein Beispiel daran nehmen und der Katze ebenfalls auf die Schulter klopfen.
Als die Kritische Katze den Trainer endlich erreicht, der an die anderen Teilnehmer Wurfbälle austeilt, muss sie nicht mehr lange quengeln, bis der Trainer sie mitnimmt zur Speerwurfanlage. Die Katze stellt erfreut fest, dass der Landing Sector ordentlich mit Markierungen in Abschnitte unterteilt ist. Kurz vor der 70m-Markierung ist eine weitere goldfarbene Markierung angebracht. Hinter der 70m-Markierung steht ein Materialwagen.
Der Trainer kommt mit einem Aluminiumspeer aus dem kleinen Schuppen neben der Anlaufzone und fragt: „Hast du denn schon Vorkenntnisse? Schon einmal einen Speer geworfen? Was weißt du über Speerwurf?“
„Der Speer schließt nur die Wunde, die er selbst geschlagen hat.“, antwortet die Katze mit großem Ernst.
Der Trainer schaut die Katze entsetzt an, die eine Lederschlaufe aus der Tasche zieht.
„Was wird das denn?“, will der Trainer wissen.
„Das ist meine Ankyle„, antwortet die Katze: „Muss ich eine vom Verein nehmen?“
„Wir benutzen so etwas nicht mehr.“, antwortet der Trainer trocken:“ Seit etwa 1000 Jahren.“
„Hab ich mir gedacht.“, nickt die Katze: „Ist auch ok, solange die Gegner keine Kettenhemden tragen.“
Der Trainer atmet tief durch und erklärt der Kritischen Katze dreimal den Ablauf, die Schrittfolge sowie die Wurftechnik und lässt sie alles wiederholen, bevor er ihr endlich den Aluminiumspeer überreicht.
Mittlerweile haben sich die meisten Vereinsmitglieder am Rand der Anlaufbahn eingefunden und wollen den Probewurf mitverfolgen.
„Halt die Ohren steif, Sportsfreund!“, ruft einer von ihnen: „Ist alles Kopfsache.“
Die Katze nimmt Anlauf und hält dabei den Speer etwas über dem Kopf wie Christin Hussong und Julian Weber, obwohl der Trainer es eben anders demonstriert hat. Dann streckt sie die linke Pfote mit dem Speer zurück, macht den Impulsschritt, stemmt die rechte Hinterpfote in den Boden, spannt den ganzen Oberkörper, schleudert den Speer schräg nach oben und muss sich mit den Krallen der Hinterpfoten gegen den Boden stemmen, um rückwärts zu tänzeln und nicht zu übertreten.
Der Speer durchschlägt den Materialwagen und bringt einige Bälle darin laut zum Platzen.
Es wird totenstill auf dem Platz.
Alle Vereinsmitglieder und der Trainer starren mit weit aufgerissenen Augen auf den gefällten Materialwagen.
„Alles Kopfsache!“, ruft die Katze vergnügt: „Wenn der Speer die Hand verlässt, muss man ihm die Gewissheit mitgegeben haben, Vollstrecker des Schicksals zu sein.“
Der Trainer schüttelt fassungslos, aber irgendwie auch missbilligend den Kopf. Die ersten Zuschauer lösen sich aus ihrem Schreck und beginnen zu diskutieren, ob die Katze übergetreten ist oder nicht.
Rudi, der alte Sportler, den die Katze als Einzigen namentlich kennt, kommt mit einer Dose Bier auf die Katze zu: „Na, da haben wir ja eine echte Sportskanone! Hier, auf dich!“
„Nein danke„, lehnt die Katze ab: „Aber wenn ihr eine Iced Chai Latte hättet…“
Abendstund
Als der Tatzelwurm und Trent am Abend lachend und schwatzend zurück in die Wohnung kommen, finden sie die Kritische Katze in eine Decke gewickelt auf der Couch sitzend vor.
„Du hast echt was verpasst, K.!“, ruft Trent: „Die haben da vielleicht ein paar sagenhafte Tunnelrutschen, sag ich dir! In einer gab’s stroboskopische Lichteffekte.“
„Und in einer konnte man auf Bobschlitten liegend rutschen!“, platzt der Tatzelwurm heraus.
„Und T. hat in den Rutschen immer laute Drachengeräusche gemacht, um die Leute zu erschrecken!“, prustet Trent lachend.
„Und weißt du noch? Die alte Dame?“, ruft der Tatzelwurm, nun ebenfalls laut lachend: „Als wir uns mit unseren Bobs verkeilt hatten?“
„Hihihihiiii!“, quietscht Trent: „Kommt aufrecht sitzend im Schneckentempo an auf ihrem Bob und sagt… hihihi… und sagt…“
„Darf ich hier einmal vorbeihuschen, bitte?“, brüllt der Tatzelwurm und beide biegen sich vor Lachen.
Erst nach einer Weile fällt dem Tatzelwurm auf, dass die Katze keine Miene verzieht. Trent möchte gerade vom Wellenbad erzählen.
„Was ist los?“, fragt der Tatzelwurm besorgt: „Geht’s dir nicht gut?“
Auch Trent ist jetzt aufmerksam geworden: „War Speerwerfen doof?“
„Speerwurf“, sagt die Katze langsam: „ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Es ist eine kaputtreglementierte Beschäftigung von Leuten in schlecht sitzenden Sportklamotten und mit erstaunlich wenig entwickelter Technik.“
Der Tatzelwurm und Trent werfen sich einen Blick zu.
„Hast du etwa nur zusehen dürfen?“, fragt der Tatzelwurm.
„Am Ende habe ich mich darauf beschränkt, ja.“, antwortet die Katze: „Ich denke aber nicht, dass das etwas für mich ist. Was wollen wir heute essen?“
„Wir haben im Schwimmbad Pommes gegessen.“, sagt der Tatzelwurm: „Trent hatte nämlich recht: Schwimmbadpommes sind irgendwie besonders.“
„Schwimmbadpommes sind das Beste!“, schwärmt Trent.
„Aber auf dem Rückweg sind wir bei dieser Fritten-Franchise vorbeigekommen, die du so gerne magst. Du weißt schon: mit den ulkigen Sprüchen und den verschiedenen Pommessorten. Wir haben dir eine große Portion Knoblauchpommes mit Guacamole und Chili-Cheese-Soße mitgebracht.“, verkündet der Tatzelwurm und Trent holt die dampfende Pappschachtel aus der Diele herein.
„Mach dir nichts draus, K.!“, tröstet Trent, als die Katze aufgegessen hat und wieder viel besser gelaunt ist: „Vereine sind doof, aber du hast ja etwas viel Besseres! Du bist Mitglied im ziemlich exklusiven Ohrwurm-Club!“
„Sind wir ein Club, Trent?“, fragt der Tatzelwurm: „Sind wir nicht eher ein Zirkel oder eine Gilde?“
„Wir sind die Loge des Geburtstagsohrwurms.“, entscheidet die Katze.
The Last Dinner Party: This is the Killer Speaking
| Jahr | 2025 |
| Land | UK |
| Genre | Glam Rock |
| Aha-Momente | „Seht ihr die blonde Barkeep, die so gut im Armdrücken ist?“, fragt Trent begeistert. „Na klar, das ist Georgia Davies, die coole Bassistin von TLDP, die heute ihren 27. Geburtstag feiert.“, antwortet der Tatzelwurm. „Übrigens Aussie„, ergänzt die Katze: „Das passt zu einer Dosenbierbegeg-nung. die ich heute hatte. Übrigens habe auch ich euch etwas von unterwegs mitgebracht.“ Die Katze bringt jedem eine Flasche Bundaberg Ginger Beer aus dem Kühlschrank. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Ahahahahaha-ahahahahaha – here comes the killer!“, grölen alle drei beim zweiten bis zum zwölften Durchlauf des Videos. |
| Visuelle Highlights | „Wer ist eure Lieblingsfigur im Video?“, fragt der Tatzelwurm: „Meine ist Emily als Revolverheldin.“ „Bei dir ist es immer Emily!“, schimpft Trent und entscheidet sich für: „Lizzie als Kopfgeldjäger.“ „Natürlich Abigail als Zentaur!“, beschließt die Katze. |
Linkin Park: The Emptiness Machine (live at Wembley, 28. Juni 2025)
| Jahr | 2025 |
| Land | USA |
| Genre | Alternative Metal |
| Aha-Momente | „Vielleicht etwas weniger theatralisch, aber ebenso spaßig„, schlägt die Kritische Katze vor: „Emily Armstrong von Linkin Park wird heute 40.“ „Geil!“, findet Trent: „Ich vermisse Chester jetzt gar nicht mehr!“ „De mortuis nil nisi bene!“, rügt die Katze. „Aber Emily ist schon echt richtig toll.“, meldet sich der Tatzelwurm. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Falling for the promise of the emptiness machine!“ Mit den emporgereckten Armen die Pommesgabel-Geste zeigend und dabei headbangend, hat die ehrwürdige Loge des Geburtstagsohrwurms auch hier Gelegenheit zum herzhaften Mitgrölen. |
| Visuelle Highlights | „Bei Live-Videos finde ich immer am Besten, wie glücklich die Leute alle aussehen!“, bekundet der Tatzelwurm und alle nicken – heftig. |

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