Tent Show 2: Under the Gaslight

„Ich habe heute keine Lust auf ein Rollenspiel!“, motzt Trent bereits vor dem Essen. Er hackt Schnittlauch am Esstisch, während Tatzelohrwurm Paprika- und Zwiebelwürfel in einer Pfanne dünstet.

Die Kritische Katze hatte einen Zettel unter Trents Wohnungstür durchgeschoben, bevor sie mit dem Hund der Nachbarin aus dem dritten Stock zu einem Spaziergang aufgebrochen war. Am Morgen schon hatte die Katze sich Paprika-Carbonara mit Spaghetti zum Abendessen gewünscht, da sie „eine gewisse nervliche Erschöpfung“ befürchtete, hervorgerufen durch unausweichliche Gespräche mit der Hundebesitzerin vor und nach dem „Gassigehen“.

K wird mich wieder zum Assistenten degradieren oder mit undurchsichtigen Konstellationen überwältigen, damit das Spiel nach K‘s Vorstellungen abläuft!“, prognostiziert Trent düster und hackt weiter auf den Schnittlauchröllchen herum. Mittlerweile wundern sich der Tatzelwurm und die Katze nicht mehr darüber, dass Trent sie T und K nennt und die Buchstaben englisch ausspricht.

Der Tatzelwurm nimmt ihm das Brett mit den Röllchen weg und sagt: „Danke dafür! Warum seid ihr beide heute nur so pessimistisch?“

Der Schlüssel dreht sich in der Wohnungstür und die Kritische Katze kommt herein. Nachdem sie ihren Schlüsselbund rasselnd am Schlüsselbrett aufgehängt hat, kommt sie kopfschüttelnd und mit hängenden Schultern ins Ohrwurmzimmer geschlurft. Sie begrüßt Trent tonlos und setzt sich neben ihn an den Tisch.

„Was ist los, K?“, erkundigt sich Trent erst grinsend, dann aber mit leichter Sorge: „ist Lupolein dir entkommen?“

Die Katze schüttelt langsam den Kopf.

„Hat Frau Rüther dich wieder verhört, als du Lupo zurückgebracht hast?“, vermutet der Tatzelwurm.

„Es war viel schlimmer“, wispert die Katze: „Claudia ist mitgegangen!“ Die Katze schaut dramatisch mit weit aufgerissenen Augen auf.

Trent muss lachen; „Hahahahaha, das ist ja die Höchststrafe! Da konnte sie dir ja endlich ausführlich den Putzplan erklären!“

„Verstehe ich gar nicht“, sagt der Tatzelwurm nachdenklich: „Ich dachte, sie nutzt die hundelose Zeit immer für eigene Projekte.“

„Ich fürchte, wir sind ihr aktuelles Projekt!“, seufzt die Katze: „Claudia… also: Frau Rüther ist äußerst interessiert daran, was in unserer WG so vorgeht. ‚Du warst ja gestern ganz alleine einkaufen‘ ist zum Beispiel so ein Satz, der dann kommt, um mir eine Reaktion zu entlocken. Oder sie erzählt vermeintlich von sich selbst und davon, dass sie nachts nicht gut schlafen kann, wenn das Paar aus dem zweiten Stock Gäste hat, lange fernsieht oder auch nur irgendeiner Aktivität nachgeht – gefolgt von: ‚Du bist ja auch Frühaufsteher? Bist immer früh Brötchen holen?‘ und natürlich das obligatorische: ‚Ist denn alles in Ordnung bei euch?‘ mit weit aufgerissenen Augen! Hinter der großen runden Brille, die sie extra für diese Frage aufsetzt!“

„Und was antwortest du dann?“, fragt Trent amüsiert.

„Ich sage in allen drei Fällen einfach: ‚ja‘ – so unbefangen es geht“, berichtet die Katze: „Und wenn dann eine Gesprächspause droht, gebe ich Lupo irgendwelche Anweisungen. Das ist ein Trick, den ich mir von Claudia selbst abgeschaut habe. ‚Lupo, nicht so schnell. Nein, wie er sich freut!‘ Oder auch: ‚Lupo, leg mal einen Zahn zu! Wir sind hier nicht im Altenheim für Schoßhunde!‘ Dann geht das Gespräch erstmal mit dem Hund weiter.“

Die Katze lehnt sich zurück und streckt die Vorderpfoten aus. Es gibt einen Knacklaut.

„Gruselig!“, sagt der Tatzelwurm und meint die Dame mit dem kleinen Hund aus dem dritten Stock.

„Krass!“, sagt Trent und es ist unklar, was er meint.

„Achso!“, fällt dem Tatzelwurm ein und er wirft einen Seitenblick zu Trent hinüber: „Wegen des Geburtstags von Ma Rainey…“

Die Kritische Katze übernimmt spontan: „Trent, habe ich das richtig verstanden, dass du heute Dungeon Master sein möchtest?“

„Was? Ich?“, stammelt Trent und macht einen überrumpelten Eindruck.

„Natürlich!“, bestätigt die Katze: „Beim letzten Mal hattest du dich doch angeboten. Ich glaube, deine Wortwahl war: ‚So eine Story hätte ich euch auch bieten können – ohne Vorbereitung! Dafür aber auf Augenhöhe und mit echter Spannung!‘ Sehr gerne! Ich hole Eis nach dem Essen!“

Das habe ich gesagt?“, überlegt Trent etwas verlegen, weil er sich sicher ist, dass er so etwas in der Art zumindest gedacht hatte: „Aber ich hab mir ja jetzt noch gar nichts überlegt.“

„Es gibt eh erst Essen. Du kannst dir also Zeit lassen“, beruhigt die Katze: „Stimmt’s, T?“

Der Tatzelwurm zieht eine Augenbraue in die Höhe und antwortet: „Es dauert noch ein paar Momente. Das Nudelwasser kocht noch nicht.“

Trent macht einen etwas überfahrenen Eindruck, fügt sich aber in sein Schicksal und fängt an, auf seinem Tablet Notizen zu machen.

Nach dem Essen läuft die Katze wie angekündigt zur Eisdiele und holt Eis für die Runde: einen großen Mozart-Becher für den Tatzelwurm, einen Amarena-Becher für sich selbst und für Trent, der drei Kugeln bestellt hatte, einen Becher mit einer Kugel Schokominze, einer Kugel Eierlikör und zwei Kugeln Stracciatella, getoppt mit Sahne und Schokoflocken.

„Wer soll das alles essen?“, ruft Trent mit gespielter Verzweiflung.

„Schieß los!“, sagt die Katze, die noch schnell frische Chai Latte auf drei Becher aufteilt.

Trent beginnt laut und dramatisch: „Chicago, 1923! Der Lärm der Maschinenpistole ist ohrenbetäubend! Blei donnert durch den gesamten Schalterraum! Der getroffene Kronleuchter saust herab und einige Bankkund:innen können sich gerade noch durch Hechtsprünge retten.“

Was ist los?“, stammelt der fassungslose Tatzelwurm.

„Eine Kugel trifft deinen Klarinettenkoffer!“, ruft Trent und steht dabei von seinem Stuhl auf.

„Hä?“, fragt der Tatzelwurm: „Ich dachte, wir wären hier, weil…“

„Eine weitere Kugel durchlöchert deinen Hut!“, schreit Trent.

„Geistesgegenwärtig reiße ich meinen Musikerpartner von den Beinen und stürze den schweren Eichenholztisch vor uns um, hinter dem wir hoffentlich erstmal sicher sind.“, ruft die Katze und springt den Tatzelwurm quer über den Tisch hinweg an, um ihre Spielaktion zu verdeutlichen.

He!“, wehrt sich der Tatzelwurm, dessen Eisbecher beinahe zu Boden fällt.

„Es ist die Binga-Bank für Musiker in der State Street, Ecke 36., richtig?“, ruft die Katze zu Trent rüber.

„Ja, kann sein – ich denke schon„, antwortet Trent, der gedanklich noch in seiner Schießerei steckt und mit dieser Frage nicht gerechnet hat: „Draußen hört man Sirenen und der Kugelhagel erstirbt.“

„Ich rede beruhigend auf Ma Rainey ein, die verständlicherweise ziemlich aufgeregt ist.“, beschreibt die Katze ihre nächste Aktivität und klettert wieder vom Tatzelwurm hinunter.

Moment mal!“, schaltet sich Trent ein: „warum denkst du, dass Ma Rainey da bei dir ist?“

„Warum sonst sollten wir in der Bank für schwarze Kund:innen sein?“, argumentiert die Katze: „Ma Rainey möchte dort ihr Bargeld und ihren Goldschmuck deponieren, worauf sie während der Reise nach Chicago mit Argusaugen aufgepasst hat. Wir sind auf mein Anraten hier, denn ich bin derzeit ihr Finanzberater.“

„Du bist der Trompeter, K.! Oder die Trompeterin, keine Ahnung!“, stellt Trent klar.

„Natürlich!“, stimmt die Katze zu: „Das bin ich auch.“

„Ihr müsst euch beeilen“, fährt Trent fort: „Die Aufnahmesessions bei Paramount beginnen in einer Stunde. Und jetzt habt ihr auch noch den Star bei euch, der ja auch gut schon vor Ort hätte sein können! Dummerweise kommt gerade die Polizei ins Gebäude und möchte Zeugen befragen.“

Die Katze schaut den Tatzelwurm auffordernd an. Dieser rutscht auf seinem Stuhl einmal hin und her und sagt dann: „Ich gehe auf den jungen Wachtmeister zu, der für den uns nächsten Ausgang zuständig zu sein scheint. Ich erkenne an dem Ring, den er trägt, dass er verheiratet ist – vermutlich noch nicht lange, so jung wie er ist.“

„Hört mal, ihr beiden Spezialisten“, sagt Trent ruhig und sammelt mit seinem Löffel die letzten Schokoflocken aus seinem Becher auf: „Ihr müsst eigentlich den DM (das bin ich) fragen, was ihr da seht. Ihr könnt das nicht einfach entscheiden, wie es euch passt.“

„Also?“, fragt der Tatzelwurm.

„Also gut!“, lenkt Trent ein: „Ihr befindet euch in unmittelbarer Nähe der Türe zur…“

„Southern State Street“, souffliert die Katze.

„Richtig.“, sagt Trent: „Der Ausgang wird von einem jungen, aber schwer bewaffneten Wachtmeister bewacht. Da ihr euch offenbar für seine Finger interessiert, könnt ihr feststellen, dass er einen schlichten goldenen Ehering trägt. Er schaut aufmerksam zu euch herüber.“

„Ich spreche ihn respektvoll an und nähere mich dann vorsichtig.“, erzählt der Tatzelwurm: „Wenn er so jung ist, dann sagt ihm vielleicht der Name von Ma Rainey etwas, wenn sie ihm vorstelle.“

Trent erkennt, was der Tatzelwurm vorhat, und lässt es wohlwollend zu: „Ja, der junge Polizist ist sogar ein Fan und seine Frau ebenfalls. Er möchte gerne helfen.“

Der Tatzelwurm erzählt dem fiktiven Politisten nun von den anstehenden Aufnahmesessions und gibt ihm die Adresse des Hotels, in dem Ma Rainey und ihre Entourage abgestiegen sind. Die Aussicht auf eine frisch gepresste Schallplattenaufnahme des Musiktheaterstars („Die Schwiegereltern des Polizisten haben ein Grammophon“, hilft Trent) und Ma Raineys vorübergehende schauspielerische Verwandlung in eine hinfällige Dame helfen ihr und ihren Begleitern aus der Bank hinaus.

Die Kritische Katze referiert kurz darüber, dass Paramount 1923 noch keine eigenen Aufnahmestudios in Chicago besaß, aber für seine improvisationsfreudigen Praktiken berüchtigt war. Trent kommt auf den Gedanken, dass Paramount für die Aufnahmen ein halbseidenes Theater angemietet haben könnte, und die Katze deutet an, dass das Rialto Burlesque Theatre ebenfalls an der State Street liegt. Trent erklärt daraufhin das Rialto zum Ziel, das man rechtzeitig erreichen könne, hat aber das nächste Hindernis bereits vorbereitet: „Als ihr am Theater ankommt, sind Big Bill Broonzy, King Oliver, Louis Armstrong und Jelly Roll Morton bereits dort. Es stellt sich heraus, dass der Paramount-Agent vor Ort insgesamt 100 Dollars als Gage zur Verfügung hat, die unter den Musiker:innen aufgeteilt werden sollen. Außerdem macht er Druck, weil das Theater nur für heute gemietet ist und er deswegen schnell mit den Sessions beginnen will. Alle Anwesenden sind stinksauer und fordern eine gerechte Lösung.“

Mrs. Rainey hat einen Vorschlag!“, meldet sich die Kritische Katze.

„Ist ok, aber eins sag ich dir, K.!“, kündigt Trent an: „Wischi waschi geht hier nicht und auch keine unseriösen Angebote! Das sind alles gestandene Männer aus dem Süden, knallhart in Verhandlungen, von sogenannten Managern, Beratern und Veranstaltern mehr als genug über den Tisch gezogen!“

„Für Ma Rainey gilt das ebenfalls.“, sagt die Katze freundlich und zwinkert Trent zu: „Ma schlägt vor, dass alle Anwesenden einen Vorschlag zur Geldaufteilung machen dürfen – in der Reihenfolge ihrer Bekanntheit. Da alle anderen Anwesenden Gentlemen sind und Ma Rainey schon ziemlich bekannt – auch ohne Schallplattenaufnahmen -, macht sie den ersten Vorschlag. Danach sind in dieser Reihenfolge King Oliver, Big Bill, Jelly Roll und zuletzt Louis Armstrong dran. Wenn mindestens die Hälfte der Anwesenden einem Vorschlag zustimmen, wird er angenommen.“

Andernfalls“, unterbricht Trent: „Andernfalls muss die Person, die den Vorschlag gemacht hat, ganz auf die Aufnahme verzichten, sofort abreisen und darf nie wieder für Paramount aufnehmen.“

Genau!“, ruft die Katze und schlägt schnell mit Trent darauf ein. Der Tatzelwurm schaut entsetzt.

„Also?“, fragt Trent lauernd: „Alle sind ganz gespannt auf den mehrheitsfähigen Vorschlag von Mrs. Rainey.“

„Ma Rainey schlägt vor, dass sie 98 Dollars bekommt. Big Bill und Louis Armstrong bekommen jeweils einen.“, verkündet die Katze.

Trent kann es nicht fassen und bricht in wieherndes Gelächter aus: „Das… das… hihihihiiihihi! Das kann nicht dein Ernst sein, K.! Ist das ernst gemeint, T.?“

Der Tatzelwurm wechselt einen kurzen Blick mit der Katze und sagt dann entschlossen: „Natürlich ist das ihr Ernst, Trent. Wenn es um Geld geht, hört bei Ma Rainey der Spaß auf!“

„Ihr seid so dermaßen geliefert!“, sagt Trent kopfschüttelnd und muss sich Lachtränen aus den Augen wischen: „Damit habt ihr nicht nur Ma Raineys historische erste Aufnahme vermasselt – sie kann sich auch nie wieder bei Paramount blicken lassen!“

„Ich denke, ich kann dieses Missverständnis aufklären“, sagt die Katze freundlich: „und ich wende mich zuerst an Sie, Mr. Armstrong. Nehmen wir an, dass mein Vorschlag abgelehnt würde, ebenso die Vorschläge von King Oliver und Big Bill. Dann würde gemäß unserer Vereinbarung der Vorschlag von Jelly Roll Morton auf jeden Fall angenommen und ich nehme an, Sie wissen, dass Sie dann leer ausgingen. Aber natürlich weiß das auch Big Bill, also würde er es so weit nicht kommen lassen und sich eine Mehrheit organisieren, indem er Ihnen einen Dollar zusichert. Besser als nichts, oder?“

Trent schwant so langsam, dass er sich zu früh gefreut hat. Er trinkt seine Chai Latte aus.

Die Kritische Katze fährt fröhlich fort: „Und so weiter! Eine gute Induktion macht manchmal mehr Spaß als eine halbherzige Deduktion, sage ich immer. Auch King Oliver weiß schließlich, wie der Hase läuft, und könnte sich wohl anders aufstellen. Ich möchte die Herren Armstrong und Broonzy im Lichte dieser Erläuterungen darum bitten, den Vorschlag von Mrs. Rainey erneut zu bedenken. Insbesondere da Mrs. Rainey ihren Gewohnheiten aller Voraussicht nach treu bleiben und alle Anwesenden heute Nacht in den Club einladen wird, in dem sie engagiert ist – und dessen Besitzer einen guten Draht zu den italienischen Familien der Stadt hat, wenn ihr versteht, was ich meine.“

Bravo!“, stöhnt Trent in vergräbt sein Gesicht in den Händen: „Schmuggeln diese italienischen Familien zufällig auch Chai Latte?“

Massenhaft!“, sagt der Tatzelwurm und holt schon einmal die Milch: „Außerdem ist es langsam Zeit für Musik, finde ich.“

Ma Rainey: Moonshine Blues

Jahr1923
LandUSA
GenreClassic Blues
Aha-MomenteGertrud Pridgett, die sich nach ihrer Hochzeit mit Will „Pa“ Rainey den Künstlerinnennamen Ma Rainey gegeben hat, wurde vermutlich am 26. April geboren, allerdings ist nicht zweifellos klar, in welchem Jahr zwischen 1880 und 1886 sie geboren wurde; damit ist sie aber älter als Bessie Smith, Jelly Roll Morton und Charley Patton! Nach ihren eigenen Angaben würde sie heute ihren 140. Geburtstag feiern.
Ma Rainey und ihr Mann waren ebenfalls so eine Tent Show Sensation und Ma war notgedrungen eine knallharte Geschäftsfrau. Außerdem behauptete sie, die Bezeichnung „Blues“ für die Musikrichtung erfunden zu haben 🥸
Als sie etwa 37 Jahre alt war, machte sie ihre ersten Tonaufnahmen in Chicago für Paramount. Das war 1923 und viel älter kann ein Ohrwurm des Tages auch nicht sein: die erste bekannte Popmusikaufnahme überhaupt ist von der Original Dixieland Jass Band (nicht „Jazz“) von 1917, die erste schwarze Person, die in einem Studio eine Schallplatte aufgenommen hat, war Mamie Smith 1920. Wo genau Ma Raineys Chicago-Aufnahmen von 1923 entstanden sind, weiß noch nicht einmal Derrick Stewart-Baxter, der für sein 1970 erschienenes Buch „Ma Rainey and the Classic Blues Singers“ (Studio Vista / Stein and Day) mit vielen Zeitgenossen von Ma Rainey gesprochen hat. Insofern ist die These der Kritischen Katze nicht unrealistisch, dass Ma Raineys erste Schallplattenaufnahmen in einem improvisierten Studio im Rialto Burleske Theatre entstanden sind.
Natürlich ist die Klangqualität entsprechend (damals wurden keine Masterbänder aufbewahrt, weil es so etwas noch nicht gab; alle heute erhaltenen Versionen dieser Aufnahme stammen von irgendeiner Schellackplatte).
„Trotzdem hört man heraus, finde ich, warum Ma Rainey ein Star war.“, möchte der Tatzelwurm anbringen: „Sie wird nur von einer Pianistin, meiner Klarinette und dem Kornett der Katze begleitet, wobei das Piano nur ein reines Rhythmusinstrument ist. Trotzdem hat man den Eindruck, dass es Ma Rainey ist, die hier den Rhythmus vorgibt. Sie übertönt mühelos die Blasinstrumente, schreit aber nicht. Sie verfällt auch nicht in den Sprechgesang, den so viele ihrer männlichen Zeitgenossen im Blues einsetzen, sondern singt saubere Töne und hält sie lange. Diese Aufnahme war ein riesiger Hit und beeinflusste viele spätere Jazz-Sängerinnen.“
Hookline / Ohrwurm-Moment„Ma Rainey’s komplizierter Rhythmus bleibt im Ohr hängen, ist aber schwer mitzusingen“, findet Trent und versucht trotzdem, es mit Ma Raineys Kreuz- und Querreimen aufzunehmen:
„I feel like screaming‘, I feel like crying‘, Lord,
I been mistreated. folks, and i don’t mind dying’“
Visuelle HighlightsMa Rainey starb leider bereits 1939 an einem Herzinfarkt; auch deshalb gibt es keine einzige Filmaufnahme von ihr und nur sehr wenige bekannte Fotos.
„Immerhin zeigt das Video sämtliche Fotos von ihr, die ich kenne!“, sagt die Katze und erteilt damit ihren Segen.

Caro (Emerald): Greatness

Jahr2026
LandNiederlande
GenreR&B
Aha-Momente„Leute, habt ihr eigentlich schon die neue Single von Caro gehört? Hat auch viel mit Rhythmus zu tun!“, schlägt Trent vor.
Caroline van der Leeuw, besser bekannt als Caro Emerald, feiert heute ihren 44. Geburtstag. Obwohl die Sängerin von A Night like this ihr berühmtes Alter Ego offiziell abgelegt hat, bezahlt es ihr bis heute die Rechnungen. Nach einer mehrjährigen Phase unter dem Namen The Jordan ist Caro in diesem Jahr unter ihrem Vornamen zurückgekehrt und hat bereits zwei Singles released, die beide nicht mehr nach dem Retro-R&B à la Amy Winehouse klingen, mit dem Caro ihre größten Erfolge feierte. Funkige Gitarren und Caros tolle Stimme, aber auch Synths und kilometertiefe Bass-Synths holen die Kritische Katze und den Tatzelwurm gleichermaßen ab.
Hookline / Ohrwurm-Moment„Living wild and weightless“, singen Trent, Tatzelohrwurm und die Katze schon nach wenigen Momenten begeistert mit.
Visuelle HighlightsWeniger stylish als Liquid Lunch oder That Man sind Caros neue Videos, aber das Hasenpuppenhaus findet die Katze „nostalgiwohlig gruselig“.

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