Die Kritische Katze hat Lampenfieber und findet viele Gründe, warum sie noch nicht damit beginnen kann, das Treppenhaus zu putzen.
Tatzelohrwurm, der WG-Mitbewohner der Katze, sucht regelmäßig nach der Hausordnung, die den beiden zusammen mit dem Mietvertrag übergeben wurde, weil er glaubt, dass sich darin eine Regelung zur Reinigung des Treppenhauses findet. Die Katze hat diese Hausordnung aber einem in ihren Augen sinnvolleren Zweck zugeführt, indem sie daraus die perfekte Höhe gefaltet hat, um das Schallplattenregal stabil abzustützen, damit es nicht mehr wackelt.
Allerdings gibt es da diesen geheimnisvollen Aushang im Treppenhaus, dessen Zweck sich der Katze nicht erschließen will, den Trent, der sympathische Nachbar aus dem ersten Stock, aber für einen Treppenhaus-Putzplan hält.
Um den Hausfrieden zu bewahren und der Dame mit dem kleinen Hund aus dem dritten Stock guten Willen zu beweisen, hat die Katze ihrem Mitbewohner versprochen, heute zum ersten Mal das Treppenhaus zu putzen.
Zuvor finden sich aber so viele andere Betätigungsfelder! Seitdem der Tatzelwurm nach dem Frühstück aufgebrochen ist, um Trent zu einer Fahrradtour abzuholen, hat die Katze sich stetig vom Treppenhaus weggearbeitet.
Zuerst musste der Spiegel im Bad dringend poliert werden – die Wasserflecken darauf stören die Katze schon den ganzen Morgen.
Und dann die Garderobe! Die Katze hängt die Jacken und ihren Fahrradhelm ab und neu wieder auf. So ist es viel besser!
Als nächstes muss die Katze das Comicregal im Zimmer des Tatzelwurms abstauben. Dabei achtet sie auch darauf, dass die Buchrücken alle in einer Linie stehen. Außerdem sortiert sie zwei Reihen komplett neu und überzeugt sich so davon, dass sie vollständig sind. Als sie fertig ist, sieht das Regal sehr ansprechend aus – wer sich stattdessen mit dem Aussehen von Treppenhäusern beschäftigt, besitzt ganz offensichtlich kein Comicregal!
Oder ein Schallplattenregal. Die Katze wischt vorsichtig über das laminierte Poster an ihrem Schallplattenregal, stellt aber mit leichtem Unbehagen fest, dass das Regal ansonsten staubfrei ist, da sie sich gestern den ganzen Tag lang damit beschäftigt hat.
Nachdem sie Schafis Fenster noch schnell geputzt hat, überlegt sie kurz, ob sie die Tischdecke bügeln soll, die nie benutzt wird. Ein Blick auf die Uhr bringt die Katze aber zu der Erkenntnis, dass sie nicht länger um das Treppenhaus herum kommt.
Mit den Putzutensilien in den Pfoten steigt die Katze vorsichtig in den ersten Stock hinab und horcht an Trents Wohnungstür. Der Tatzelwurm hatte mit Trent etwas unternehmen wollen, damit der anarchistische Nachbar die Katze nicht dabei „erwischt“, wie sie sich dem Regime des Putzplans beugt. Allerdings kann die Katze sich nicht daran erinnern, ob ihr Mitbewohner bereits konkrete Pläne hatte. Sie weiß nur, dass er seinen Fahrradhelm mitgenommen hat. In Trents Wohnung ist alles ruhig.
Mit den klappernden Putzsachen macht sich die Katze wieder auf den Weg nach oben, wo sie mit dem Kehren beginnen will.
Als sie im dritten Stock angelangt ist, öffnet sich dort die Türe der Dame mit dem kleinen Hund.
„Hallo, Frau Rüther!“, grüßt die Katze in einem provokanten Tonfall.
„Aber Sie putzen doch wohl von oben nach unten?“, ruft die Dame mit dem kleinen Hund erschrocken, als sie die Kritische Katze von unten kommen sieht.
„Das versteht sich doch von selbst“, erwidert die Katze ruhig: „Treppe immer von oben nach unten – wie das Wort Gottes und ein Flugzeugabsturz.“
Frau Rüther, die Dame mit dem kleinen Hund, schaut interessiert zu, wie die Katze im vierten Stock mit dem Kehrbesen und anschließend mit dem Handfeger und dem Kehrblech hantiert. Als die Katze sich die Treppe in den dritten Stock abwärts vorarbeitet, fragt Frau Rüther mit weit aufgerissenen Augen, gerunzelter Stirn und besorgter Stimme: „Ist denn alles in Ordnung bei Ihnen und Ihrem… Freund? Man hat ja nie die Möglichkeit, sich richtig auszutauschen. Und dann hört man oft diese lauten Geräusche von oben – da macht man sich ja schon Sorgen!“
Die Kritische Katze bleibt stehen und atmet tief. Dann sagt sie mit zuckersüßem Lächeln: „Ich glaube, man kann ganz beruhigt sein: es ist keine Gefahr im Verzug. Wir haben da oben einen Heidenrespekt davor, dass man sein Leben und das Universum so sehr im Griff hat, dass der abenteuerlich gestaltete Putzplan das größte Abenteuer des Tages darstellt. So wollen wir jetzt auch werden und den Willen des großen Putzteufels vollstrecken.“ Sie hält die linke Pfote in die Höhe und spreizt zwei Krallen zum Teufelsgruß ab, während sie den Eimer mit Putzwasser auf der obersten Treppenstufe bereitstellt.
Frau Rüther zieht die Augenbrauen in die Höhe. Da taucht neben ihren Beinen der kleine Hund auf und wedelt mit dem Schwanz, als er die Kritische Katze sieht. „Ach, Lupolein!“, ruft Frau Rüther: „Du kannst aber jetzt hier nicht raus; hier ist es noch ganz schmutzig! Bäh, Lupo! Bleib bei Mama!“
„Na, Lupo?“, sagt die Katze und kniet sich hin: „Das ist schon gut, dass du Mama normalerweise an der Leine hast, stimmt’s?“
Lupo bellt einmal. „Still, Lupo!“, zischt Frau Rüther.
Die Katze bleibt in der Hocke und streckt Lupo ihre Pfote entgegen. Sie muss gegen ihren sichtbaren Widerwillen ankämpfen, als der Hund die Pfote ableckt.
„Dein Hund will spielen, Frau Rüther.“, sagt die Katze.
„Ich wusste ja nicht, dass Sie so tierlieb sind!“, antwortet Frau Rüther seufzend und greift nach der Hundeleine hinter ihr, um sie Lupo umzulegen.
„Doch, total tierlieb! Schau!“, antwortet die Katze und wirft den Feudel die Treppe hinauf. Dabei ruft sie: „Lupo! Wettrennen zum Lappen!“
Der Hund schiesst los und rennt die Treppe hoch. Er fängt den Feudel noch in der Luft, prallt aber ungebremst gegen den Wassereimer. Frau Rüther schreit.
Der Eimer wankt und dreht sich. Seifenlauge schwappt über.
Dann fällt der Eimer die Treppe herunter und ergießt seinen ganzen Inhalt über die Stufen.
Die Kritische Katze gelangt blitzschnell über den Handlauf in den vierten Stock und nimmt Lupo auf den Arm.
„Was für eine Schweinerei!“ lamentiert Frau Rüther vor ihrer Wohnungstür, wo der Fußboden jetzt unter Wasser steht.
Mit dem kleinen Hund im Arm rutscht die Katze auf dem Handlauf in den dritten Stock und achtet darauf, dass ihre Hinterpfoten trocken bleiben.
„Tja, Frau Rüther, ganz klares Gottesurteil!“, attestiert die Katze und streckt die Pfoten aus: „Hier, dein Hund! Es ist noch ein bisschen übermütig, der kleine Racker.“
Der Tatzelwurm und Trent haben etwas vom Thai-Imbiss mitgebracht, als sie wiederkommen. Trent hat den Putzplan mitgebracht, auf den Frau Rüther riesengroß ihren Nachnamen geschrieben hat.
„Blitzblank ist das Treppenhaus! Von oben bis unten! Sehr ordentlich, muss ich ihr lassen!“ sagt Trent lachend: „Ich frage mich aber manchmal, ob es da nicht eine Reihenfolge geben müsste, in der wir das alle mal machen. Ist doch sonst ungerecht!“
„Ich glaube, Treppenhausputzen ist so ein Hobby von Frau Rüther.“, sagt der Tatzelwurm.
„Es macht auch ihrem Hund Spaß.“, fügt die Katze hinzu.
Der Tatzelwurm wechselt das Thema: „68 Kilometer haben wir heute zurückgelegt, sagt meine Uhr. Ich muss jetzt erstmal die Füße hochlegen!“
Schon hat Trent die Fernbedienung in der Hand: „Jawohl! Time to rock!“
Puscifer: Self Evident
| Jahr | 2026 |
| Land | USA / UK |
| Genre | Alternative Rock |
| Aha-Momente | Die britische Gitarristin und Sängerin Carina Round hat eine Zeitlang Puscifer als Tourmusikerin unterstützt – seit einigen Jahren gehört sie nun fest zu dem Projekt, das Maynard James Keenan braucht, um sich davon zu erholen, bei Tool gegen den Kosmos anzuwüten oder bei A Perfect Circle an der ganz großen Emotion zu verzweifeln. Carina feiert heute ihren 47. Geburtstag. Puscifers neues Album „Normal isn’t“ würde ohne Carina nicht funktionieren, denn sie war an der Komposition sämtlicher Songs beteiligt und ist fast immer zu hören. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „You‘re an idiot…“ – ein Song voller Hohn und Beschimpfungen, der bei Trent sofort verfängt: „Glaubt ihr, da ist jemand Spezielles gemeint? Jemand, der destruktiv ist, Fakten ignoriert und ausschließlich selbstbezogen agiert? Wer fällt euch da alles ein?“ „Ich habe schon oft gedacht, dass Maynard bei Tool nach unterdrückter Raserei klingt, als würde er innerlich kontinuierlich explodieren wie ein Ottomotor und wäre äußerlich immer kurz davor.“, erzählt der Tatzelwurm und versucht damit, seine Bewunderung für Maynard in Worte zu fassen: „Auch bei Puscifer hat er diese gepresste Art zu singen, aber es wirkt weniger zornig – eher als würde er sich über jemanden lustig machen. Und dabei bleibt er die ganze Zeit rhythmisch sehr präzise, als würde er Schlägen ausweichen.“ „Ich habe immer das Gefühl, da singt ein irrer, aber planmäßig vorgehender Serienmörder, der das Skalpell schon bereithält.“, ergänzt Trent mit verträumter Stimme. „Arbeitet ihr euch nur an Maynard ab! Aber hört doch mal, was Carina da macht!“, wendet die Katze ein, um die Aufmerksamkeit auf die richtige Person zu lenken: „Sie ist die viel Gefährlichere hier! Sie füllt jede sich noch bietende Lücke mit ihrem über den Dingen schwebenden Gesang und lässt so den Personen keinen Ausweg, an die sich diese Hohntirade richtet.“ “Den Bungholes“, fügt Trent hinzu, dem das Wort sehr gefällt. „Es ist wie ein Kinderreim, als würde sie spotten und ihr Gegenüber gleichzeitig auslachen.“, sagt der Tatzelwurm: „An irgendwen erinnert mich das.“ |
| Visuelle Highlights | Carina und Maynard brauchen ihre Schminke, um das typische Puscifer-Theater-aus-der-Hölle-Feeling zu erzeugen. “Aber das Gesangsduo ist nicht wirklich theatralisch.“, findet der Tatzelwurm: „Eher provokant! So als würden sie sagen: Kommj doch!“ |

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