- ONE OK ROCK: Make It Out Alive
- Tori Amos & Maynard James Keenan: Muhammad my Friend (live in New York, 23.01.1997)
- Babymonster: We Go Up
Die Kritische Katze hat schon gekochten und abgekühlten Sushi-Reis als dünne Schicht auf Nori-Blättern verteilt und stellenweise mit Wasabi bestrichen, als Tatzelohrwurm vom Einkaufen nach Hause kommt. Er hat Avocados und Wakame-Salat besorgt und stellt fest, dass die Katze eine schneeweiße Gi-Jacke trägt und darüber eine blaue Maekake-Schürze mit einer aufgedruckten weißen Maneki-neko. Um den Kopf hat die Kritische Katze ihr Hachimaki mit dem roten Punkt drauf gebunden.
„Keine halben Sachen?“, fragt der Tatzelwurm und legt seine Einkäufe sowie eine DVD-Hülle auf den Esstisch.
„Was ist das?“, fragt die Katze zurück und schaut neugierig zur DVD: „Monster Hunter?“
„Ich habe unseren Nachbarn Trent im Treppenhaus getroffen“, berichtet der Tatzelwurm: „Er war mit seinem Handy auf der Suche nach Monstern.“
Als er den entgeisterten Blick der Katze bemerkt, erläutert der Tatzelwurm: „Monster Hunter Now – ist so ähnlich wie Pokemon Go, nur actionreicher. Und da hat er mich gefragt, ob ich den Film dazu kenne. Er hat ihn mir gleich aus seiner DVD-Sammlung herausgesucht.“
„Eine DVD-Sammlung?“, wundert sich die Katze: „In mancher Hinsicht ist unser Nachbar ein richtiger Dinosaurier.“
„Ich hatte früher auch DVDs.“, sagt der Tatzelwurm rechtfertigend.
„Ja, früher!“, bekräftigt die Katze: „Früher hatte ich auch CDs. Und ein Telefon mit Kabel und Wählscheibe. Wir haben doch gar keinen DVD-Player!“
„Doch, ich hab noch ein externes Drive für mein Laptop. Das bekommen wir schon hin, dass wir es im Fernsehen schauen können.“
Die Katze wiegt die DVD-Hülle in der Pfote, als müsse sie das Gewicht schätzen, und sagt bewundernd: „Hmmm, Paul W. S. Anderson! Resident Evil! Alien vs. Predator! Herrlicher Trash! Genau das Richtige zu Futo Maki!“
Der Tatzelwurm beginnt damit, die Füllung der Maki vorzubereiten. Dazu wäscht und schneidet er die Avocados und Gurken, weicht Mu Err Pilze ein und holt den marinierten Tofu aus dem Kühlschrank. Dabei sagt er: „Das wird bestimmt gut. Es geht um Kämpfe gegen Monster!“
„Aber sind das nicht alles Drachen?“, fragt die Katze besorgt: „Willst du dir das wirklich ansehen?“
„Warum nicht?“, gibt der Tatzelwurm zurück: „Das sind ja alles nur Fantasiedrachen – nichts, was es wirklich gibt! Und es ist kein einziger Tatzelwurm darunter.“
„Stört es dich denn nicht, dass alle Monster in solchen Filme immer hirnlos und böse sind?“, will die Kritische Katze wissen.
„Du kennst meine Oma nicht.“, sagt der Tatzelwurm lächelnd: „Monster sind böse – oder geben sich keine besondere Mühe, das Gegenteil zu beweisen. Jedenfalls sind sie nicht besonders kommunikativ begabt. Viele sind außerdem äußerst territorial und auf jeden Fall unbezähmbar. Und diejenigen, die ein bisschen was im Kopf haben und zumindest sprechen können, sind stockkonservativ! Gerade die Drachen! Richtige Incels sind darunter! Dann heißt es: Jungfrauenopfer hier, Prinzessinnen-Kidnapping da – und wer von denen hat noch einen nennenswerten Hort? Eben! Ich erinnere mich mit Grauen an die Gespräche auf Familienfeiern früher.“
„Bei denen du der kleine blaue Intellektuelle warst? Mit mehr Flaum auf den Schuppen als Feuer in den Nüstern?“, stichelt die Katze.
„Der Ungefährliche. Ganz genau!“, ärgert sich der Tatzelwurm: „Der aus der Art geschlagen ist! Aus dem nie was Richtiges wird! Und das von Onkel Tatzelhöhlwurm, der einmal Synchronsprecher für Fuchur den Glücksdrachen gewesen war und davon länger erzählen konnte, als es in Wahrheit gedauert hat!“
„Hört sich für mich ziemlich nach Pauschalisierung an“, befindet die Katze: „Man kann nicht potenziell unschuldige Lebewesen ermorden, nur weil man sich von der eigenen Familie unverstanden fühlt.“
„Sag das mal den Monstern!“, fordert der Tatzelwurm: „Bevor du zulässt, dass die aus bloßem Hass auf alle, die schlauer sind, dich und deine Familie fressen, zerstückeln oder einäschern, sollte man sich ein Vorbild nehmen an Bellerophon, Ellen Ripley, Captain Dutch, Alice oder Hellboy.“
„Du definierst Monster über Gefahr. Ich über Bedeutung!“, stellt die Katze klar: „Mythische Monster sind mehr als bloßer Kinderschreck! Sie haben alle irgendwelche imposanten Eigenschaften; sind stark oder gerissen oder unglaublich tödlich. Interessieren dich die Sagen um Herakles oder Perseus wirklich wegen der fragwürdigen Heldenfiguren oder wegen der Monster? Ich sage nur: Typhon und seine ganze Familie! Zyklopen! Scylla und Charybdis!“
„Ich mag solche Monster auch – ich bin schließlich Jack-Kirby-Fan.“, gibt der Tatzelwurm zu: „Aber mit echten Monstern ist eben nicht zu spaßen. Viele von denen sind sogar selbst Menschen.“
„Du meinst Werwölfe?“, rät die Katze.
„Werwölfe sind keine Menschen.“, erklärt der Tatzelwurm: „Nur She-Hulk kann sich immer hin- und zurückverwandeln. Werwölfe sind anthropomorphe Wölfe, die schon so geboren wurden. Komische Typen! Aber es gibt ein paar beeindruckende Tänzer:innen und Akrobat:innen unter ihnen.“
„Ich habe solche Angst vor Wölfen. Aber was für schöne Kreaturen!“, sagt die Katze betont und lauernd.
„Ich glaube nicht, dass sie Englisch oder Latein sprechen“, insidert der Tatzelwurm feixend.
Beide recken eine Faust in die Höhe.
„Na, dann steht dem Gemetzel ja nichts mehr im Wege!“, sagt die Katze beruhigt und beobachtet, wie der Tatzelwurm die belegten Nori-Blätter aufrollt. „Ich bin froh, dass du mit der einseitigen Darstellung deiner Verwandtschaft so souverän umgehen kannst.“, fügt sie hinzu; „Es liegt ja auf der Hand, dass die meisten Film- oder Mythenmonster nur Projektionen eigener dunkler Seiten sind, gegen die man mit gewisser Härte vorgehen sollte. Deshalb sind viele Monster auch so unansehnlich und haben etwa acht Beine oder so.“
„Meine Großtante hatte acht Beine.“, erwähnt der Tatzelwurm: „Sie galt immer als ziemliche Schönheit…“
„Hol doch mal den Dinosaurier dazu!“, sagt die Katze: „Der kennt sich mit Monstern aus. Außerdem haben wir zuviel Sushi.“
Während der Tatzelwurm kurz zu Trent in den ersten Stock geht, greift die Katze zu ihrem in Tokio erstandenen Lieblingsmesser, zu dem es natürlich auch eine Geschichte gibt, und zerlegt die Nori-Rollen in Maki.
Dabei schreit sie: „Nimm das, Monster! Und das! Stirb!“
„Trent kann erst in einer Stunde“, berichtet der Tatzelwurm, als er zurückkommt.
„Dann können wir uns bis dahin ja noch um ein wenig kulturellen Genuss kümmern und das Essen anrichten.“, schlägt die Katze vor.
ONE OK ROCK: Make It Out Alive
| Jahr | 2023 |
| Land | Japan |
| Genre | Alternative Rock |
| Aha-Momente | Taka, der Sänger von ONE OK ROCK, feiert heute seinen 38. Geburtstag. Make it Out Alive hat er zusammen mit dem kanadischen Produzenten Kane Churko als Soundtrack für das Handy-Spiel Monster Hunter Now geschrieben. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Wohoho, woh-hoh-hoh-hoh-hoh-hoh!“, johlen der Tatzelwurm und die Kritische Katze und bringen sich so in Monsterjagdstimmung. |
| Visuelle Highlights | „Da!“, quietscht die Katze: „Deine Mutter!“ „Meine Mutter ist ein wunderschön mahagoniroter Tatzelwurm“, antwortet Tatzelohrwurm ruhig: „Das da ist ein Wyvern. Die sind gut als Wappentiere oder für Rockvideos, sprengen aber jedes gesittete Beisammensein.“ |
Tori Amos & Maynard James Keenan: Muhammad my Friend (live in New York, 23.01.1997)
| Jahr | 1997 |
| Land | USA |
| Genre | Prog Folk |
| Aha-Momente | Maynard James Keenan, der Sänger der Bands Tool, A Perfect Circle und von seinem ganz eigenen Projekt Puscifer, wird heute 62 Jahre alt. Wir sehen ihn hier vor 29 Jahren als Gast an der Seite der großen Tori Amos, die mit ihrem virtuosen Pianospiel und ihrer dominanten, von allerlei Dämonen besessenen Stimme immer selbst wie eine Band daherkommt. „Sonst klingt Maynard immer, als müsse er einen monstermäßigen Zorn unterdrücken – wie ein Teekessel, der gleich auseinander fliegt. Warum ist er hier so zahm?“, fragt der Tatzelwurm. „Weil Tori bei weitem das größere Monster ist!“, staunt die Katze: „Aber schau, wie er sich aus ihrem Bann freischwingt und hör mal, wie er bei der zweiten Strophe glänzt! Hast du schon mal zwei so gefährliche Energiequellen an einem Piano gesehen?“ |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „But you’ve never seen fire until you’ve seen Pele blow“ – Der Tatzelwurm hat immer das Gefühl, dass Tori sich mit dem Vulkan selbst meint. „Das Gefühl hatte Maynard damals auch.“, kichert die Katze. |
| Visuelle Highlights | Sehr schüchtern in sich zusammengesunken – so kannte man den jungen Maynard. So überhaupt nicht zornig sieht man ihn hingegen selten. Bis heute. |
Babymonster: We Go Up
| Jahr | 2025 |
| Land | Südkorea |
| Genre | K-Pop |
| Aha-Momente | Der Geburtstag von Asa, der Lead Rapperin von Babymonster, jährt sich heute zum zwanzigsten Mal. In einer sechsköpfigen Band, in der alle Mitglieder singen und rappen können, muss man als Lead MC besonders schnell und pointiert sein. In We Go Up kommen die ersten Worte und die zweite, besonders schnelle Rap-Passage am Anfang von Asa. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | Bei jedem „Up like whoa“ hüpfen die Katze und der Tatzelwurm auf der Couch in die Höhe. „Die Stärke von Babymonster liegt vor allem im rhythmischen Einfallsreichtum.“, trägt die Katze vor. In We Go Up überzeugen vor allem Asa und Chiquita mit ihrem Flow und originellen Reimen, findet der Tatzelwurm. |
| Visuelle Highlights | Als man Asa zum ersten Mal im Video sieht, trägt sie eine Maske. Das Schwert legt sie bis zum Ende des actiongeladenen und teuer aussehenden Videos nicht aus der Hand. „Ach, ihr habt schon angefangen mit den Monstern?“, ruft Trent, als er dazukommt und es endlich essen gibt. |

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