Tatzelohrwurm und die Kritische Katze sind müde, aber bester Laune: gestern Nacht sind sie aufgeblieben um mitzuverfolgen, wie die Artemis-2-Mission an Bord der Orion (ausgerechnet!) die Rückseite des Mondes passierte. Natürlich waren sie enttäuscht, dass die Bilder der Besatzung nicht unmittelbar auf Insta landeten, sondern zuerst von den zuständigen Behörden freigegeben werden mussten.
„Ist doch klar“, hatte die Kritische Katze erklärt und damit die eigene Enttäuschung überspielt: „Die Behausung des Watchers muss zuerst wegretuschiert werden, um eine Massenpanik zu verhindern!“
Vor Aufregung hatten beide keinen Hunger gehabt und sehr viel gekochten Reis übrig gelassen. Daher beschließt der Tatzelwurm, heute Egg Fried Rice zuzubereiten, um die inzwischen veröffentlichten Bilder des Kraters Carol und der Sonnenfinsternis zu feiern.
Also brät er Zwiebeln, Möhrenwürfel und TK-Erbsen im großen Wok, wo genug Platz ist, um daneben noch Rührei zu machen, gibt anschließend den Reis von gestern dazu und vermischt alles. Dann kommen noch Reisessig, Sojasoße, Soße mit Austerngeschmack, Sambal Oelek, Sesamöl und Frühlingszwiebeln dazu – fertig!
„Eigentlich verstehe ich die Aufregung immer nicht“, sinniert der Tatzelwurm beim Essen: „schließlich waren die ersten Menschen schon vor knapp 2000 Jahren auf dem Mond.“
„Ich glaube Lukianos kein Wort!“, ereifert sich die Katze: „er und Cyrano und Godwin und Peterchen sind alles nur Angeber und Schwindler!“
„Aber…“, beginnt der Tatzelwurm.
„Vor allem Peterchen! Dieser Penner!“, schimpft die Katze: „Schon dieser Unfug mit dem Osternest! Nein, nein! Nach der gescheiterten Barbicane-Nicholl-Mission von 1870 waren eigentlich Professor Cavor und Bedford 1901 die ersten Menschen auf dem Mond.“
„Wohl eher im Mond!“, spottet der Tatzelwurm: „Auf dem Mond… bei Little Nemo weiß man ja nie, ob er nicht alles nur geträumt hat…“
„Hat er“, weiß die Katze: „Aber es geht ja auch um die der Erde abgewandte Seite. Die Pink Floyd irrtümlich die dunkle Seite nennen – die man jedenfalls noch nie zuvor unmittelbar sehen konnte. Also von unserem Dachfenster aus.“
„Ist nicht die Mondrakete von Professor Bienlein dort gelandet? Ungefähr 1954 muss das gewesen sein.“, überlegt der Tatzelwurm.
„Diese Mission ist zwar die glaubwürdigste bis dato“, lenkt die Kritische Katze ein: „Aber Bienlein ist auf der erdzugewandten Seite gelandet und auch das nur mit Glück, wenn man die unfassbare Strähne an Missgeschick, Sabotage und Missverständnissen bedenkt, durch die der Flug bedroht wurde. Also…“
„Also waren es doch die Fantastic Four!“, setzt der Tatzelwurm den Satz fort: „Und dabei sind sie auch gleich noch in die Wohnstätte des Watchers eingedrungen. Aus Notwehr natürlich!“
„Wie uns in Heft Nummer 13 aus dem April 1963 eindrucksvoll vorgeführt wurde!“, stimmt die Katze ein: „Trotzdem muss man der Artemis-Besatzung zugute halten, dass sie über keinerlei Superkräfte verfügen.“
„Ich bin ja auch total beeindruckt!“, bekräftigt der Tatzelwurm, dem es gelungen ist, den letzten Bissen Reis und Erbsen mit Stäbchen in sein Maul zu befördern.
„What a little moonlight can do!“, staunt die Kritische Katze und wendet sich ohrwurmhungrig anderen himmlischen Wesen zu.
Teddy Wilson & his Orchestra: When You’re Smiling
| Jahr | 1938 |
| Land | USA |
| Genre | Swing |
| Aha-Momente | Billie Holiday, die der Tatzelwurm für die beste Jazz-Sängerin aller Zeiten hält („Sie war die beste Sängerin überhaupt!“, korrigiert die Katze), wäre heute 111 Jahre alt geworden. Wir hören sie hier als junge, aber schon äußerst versierte Sängerin mit dem harten Kern von Count Basies damals sehr erfolgreichem Orchester – insbesondere der „Rhythmusmaschine“ Jones-Page-Green und Basies Starsaxofonist Lester Young. Lester Young hatte die für Außenstehende etwas anstrengende Macke, eine eigene Sprache kultiviert zu haben – nicht nur auf dem Saxophon. So geht das Wort cool in der Bedeutung von „positiv, gut, gechillt“ wohl auf ihn zurück. Des Weiteren ließ er es sich nicht nehmen, seine Mitmenschen „Lady“ zu nennen – ungeachtet ihres Geschlechts. Er nannte Billie Holiday Lady Day, sie nannte ihn Prez. Die beiden verstanden sich musikalisch blind und oft heißt es, Billies Stimme würde wie ein Saxophon klingen. Aber die Kritische Katze findet, dass ihre Stimme klingt wie Lester Young’s Saxofon und umgekehrt! Beim heutigen Ohrwurm ist leider nicht viel Zeit, so dass alle Beteiligten sofort auf den Punkt kommen müssen und nicht allzu sehr aufeinander eingehen können. Für das Brunswick-Label sollten schließlich ein paar verkaufsfähige Schallplatten entstehen. Das Material der Wahl damals in der Vor-Vinylzeit war Shellack, die übliche Größe 10 Zoll; darauf passten gerade einmal drei Minuten pro Seite – eine Zeitgrenze, die bis heute im Popbereich die Norm ist. Damals, als Grammophone immer beliebter und das Verkaufen von Schallplatten für Musikerinnen und Musiker immer wichtiger wurden, nannte man einzelne Popsongs daher auch Sides. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Nachdem die Posaune einmal die ganze Melodie vorgestellt hat, bleibt Billie nur Zeit für einen Chorus – auf der Brunswick-Side stand sogar neben dem Titel: „Vocal chorus: Billie Holiday“. Aber sie phrasiert mit ihrer Blues-getränkten Stimme – but when you’re crying 🎵- und singt leicht offbeat, immer etwas hinter dem Schlag, was die Trallalla-Fröhlichkeit des Songs etwas bremst und ihm meines Erachtens mehr Tiefe verleiht“, analysiert die Katze: „Teddy Wilson greift Billies Darbietung dann auf, swingt ganz unwahrscheinlich und improvisiert als Erster ziemlich frei. Prez macht dann den Abschluss mit einem seiner schönsten Soli – er war aber auch damals einfach in Topform! – und findet am Schluss noch mit Teddy und Buck Clayton zusammen. Das will ich gleich nochmal hören!“ |
| Visuelle Highlights | Ob es Fotos von der Aufnahmesession zu dieser Side gibt, weiß nicht einmal die Kritische Katze. Jedenfalls gibt es wohl kein Filmmaterial – das wäre 1938 auch sehr erstaunlich. Wer aber für dieses YouTube-Video das Bildmaterial zusammengestellt hat, ist dabei mit Bedacht vorgegangen, denn wir sehen (nach dem „Titelbild“) genau die Personen, die auch zu hören sind, nämlich das ganze beteiligte Oktett: Benny Morton an der Posaune, Walter Page am Kontrabass, Jo Jones an den Drums, Buck Clayton mit der Trompete, Teddy Wilson am Piano, Freddie Green mit der akustischen Rhythmusgitarre, Lester Young mit seinem Tenorsaxofon. |

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