Es gibt einen Aushang im Treppenhaus neben den Briefkästen. Der Aushang ist nichts weiter als eine zweispaltige Tabelle, deren erste Spalte mit „wann“ überschrieben ist. Die zweite Spalte ist viel breiter, hat aber keine Überschrift.
Die Kritische Katze hat zufällig einen Kugelschreiber dabei, als sie nach Hause kommt, den sie von einem Werbeläufer bekommen hat, der als gigantisches Smartphone verkleidet war. „Ausgerechnet!“, hatte die Katze gekichert, den Kugelschreiber aber natürlich dennoch genommen.
In der ersten Zeile des Aushangs schreibt sie: „23.03. ab 17 Uhr“ in die erste Spalte und in die zweite: „Tatzelohrwurm und Kritische Katze (und wer kommen mag): wir frittieren.“ Sie löst vorsichtig den Klebestreifen, nimmt den Aushang ab und hängt ihn an die Tür, die in den Garten führt.
Dann zieht sie den Schlüssel aus der Tür, steigt die Treppen hinauf bis zur Ohrwurm-WG, öffnet die Wohnungstür und ruft laut: „Hab das Rätsel um den Zettel gelöst! Wo ist der Camping-Gaskocher?“
Nachmittags haben Tatzelohrwurm und die Kritische Katze einen Klapptisch im Garten aufgebaut, den Gaskocher darauf gestellt und einen Topf mit Rapsöl gefüllt. Von vorgestern ist noch sehr viel Spinatrisotto übrig, aus dem der Tatzelwurm Kugeln formt, die er mit Mozzarella füllt. Die Katze hat einen Eimer mit Wasser, Eiswürfeln und Salz gefüllt und ein Dutzend Flaschen Eistee, Limonade und Bier hineingegeben.
Als um kurz vor 18 Uhr ein Nachbar aus dem ersten Stock als erster Gast auftaucht, will der Tatzelwurm nicht länger warten und beginnt damit, die Reiskugeln zu kräftig orangefarbenen Arancini zu frittieren. Dabei pfeift er fröhlich. Die Arancini sind köstlich und schmecken auch dem Nachbarn, der sich nicht vorstellt, die WG aber mit „T“ und „K“ anspricht, wobei er beide Buchstaben englisch ausspricht. Als alle satt und immer noch genug fertige Arancini für morgen übrig sind, nimmt sich der Nachbar eine Flasche alkoholfreies Radler aus dem Eimer und verabschiedet sich mit erhobener Flasche und dem Ruf: „Tod der Treppenhaus-Putzliste!“
Der Tatzelwurm wirft der Katze einen langen Blick zu und bekommt schließlich eine Flasche Bier von ihr.
Die Katze wiegt eine Arancini-Kugel trotzig in der Hand: „Ich habe der Putzliste vielleicht den Krieg erklärt, aber ich verfüge über ausreichend Kanonenkugel-Orangen, um ihn auch zu führen.“
„Kanonenkugeln? Leg das zurück. Die Idee könnte von Booga sein, angefangen mit der Zweckentfremdung der Liste.“, bemerkt der Tatzelwurm mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Dabei bin ich mehr der Typ Barney.“, schmollt die Katze und fragt dann: „Bist du auch der Meinung, dass Barney eine völlig unnötig ergänzte Nebenfigur ist?“
„Genug um den nerdigen Brei geredet!“, beschließt der Tatzelwurm lachend: „Kommst du jetzt nur von den Arancini auf Tank Girl?“
„Und weil ich natürlich weiß, wer heute Geburtstag hat.“, gibt die Katze zu.
Gorillaz: The Mountain, the Moon Cave, and The Sad God
| Jahr | 2026 |
| Land | UK |
| Genre | wir sind hier jenseits von Genres |
| Aha-Momente | Damon Albarn, der Sänger von Blur, wird heute 58. Ende der 1990er hatte er das Gefühl, mit Blur in einem Genre gefangen zu sein. Also tat er sich mit seinem Freund Jamie Hewlett zusammen, der auch Lust auf etwas Neues hatte. Hewlett ist der Co-Schöpfer der Comic-Figur Tank Girl, über die der Tatzelwurm und die Kritische Katze ebenfalls endlos reden könnten. Hewlett schuf eine virtuelle Band aus vier neuen Comic-Figuren und Albarn tobt sich seitdem im Hintergrund aus. Auf dem brandneuen Gorillaz-Album „The Mountain“ geht es um den Tod; Damon und Jamie sind extra nach Indien gereist, um sich diesbezüglich dort weiterzubilden. Neben vielen unterschiedlichen Perspektiven auf den Tod sind auch viele indische Klänge auf das Album gelangt – sowie zuvor nicht verwendetes Material verstorbener Musiker:innen. „Wenn man über den Tod singt, ist es eben klug, erfahrene Tote als Consultants zu haben“, behauptet die Katze. „Aber noch weniger als sonst bei Gorillaz kann ich sagen, was das für ein musikalisches Genre ist.“, grübelt der Tatzelwurm. „Das ist das beste Geschenk, das du Damon zum Geburtstag machen kannst.“, zwinkert die Katze. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | The Mountain: instrumental, hier dreht sich alles um ein Ravanahatha-Motiv, das mit einem hypnotischen Trance-Beat unterlegt ist. The Moon Cave: „Mein Lieblingssong auf dem neuen Album!“, entscheidet der Tatzelwurm: „Klingt schön nach Gorillaz, hat aber keine Songstruktur. Alles groovt und fließt, wird dann bei 4:40 (Videozeitmarke!) plötzlich funkig und dann legt Black Thought los und nimmt uns alle mit diesem krassen Flow mit!“ The Sad God: „Der letzte Song auf dem Album ist ein Reprise des ersten!“, ruft die Katze, während sie begeistert auf und ab hüpft: „Das ist Prog! Das ist Yes! Das ist Pink Floyd! Das… kommt auch noch so rotzfrech daher mit diesem von der Menschheit enttäuschten Text. Album des Jahres!“ „Im März?“, wundert sich der Tatzelwurm. |
| Visuelle Highlights | „Das ist kein Musikvideo – das ist ein Kurzfilm!“, staunt der Tatzelwurm. „Und ein handgezeichneter noch dazu!“, weiß die Katze: „Darauf hat Jamie großen Wert gelegt. Mit einem Tatzelwurm, wenn ich mich nicht irre! Warum sollte man auch so ein grenzüberschreitendes Album machen und dann etwas so Traditionelles wie ein Musikvideo?“ |
Gorillaz: The Hardest Thing / Orange County
| Jahr | 2026 |
| Land | UK |
| Genre | Song über Verlust mit fröhlichem Whistle-Sound 😉 |
| Aha-Momente | „Ein Song über Verlust mit einem so fröhlichen Whistle-Sound!“, freut sich der Tatzelwurm. Die Katze wendet ein: „Moment mal: zuerst musst du durch all diese finsteren Streicher durch. Erst danach kommt dieser „I’m not your enemy“-Gedanke auf.“ |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | Das Whistle-Motiv ist unbesiegbar. Der Tatzelwurm hatte es schon beim Arancini-Frittieren vor sich hingepfiffen, ohne es zu bemerken. |
| Visuelle Highlights | Neben der normalen „Bandbesetzung“ kommen hier auch die Gastmusikerinnen Kara Jackson und Anoushka Shankar (an der Sitar) visuell zur Geltung. „Im düsteren The Hardest Thing brennt erstmal der Berg.“, zeigt die Katze: „Dann dreht sich das Universum eben weiter. Ich weiß nicht, ob das fröhlich ist; es ist lebendig.“ |

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