Als der Tatzelohrwurm nach Hause kommt, empfängt ihn schon im Hausflur ein starker Duft nach Zimt, Kardamom und Nelken. Mit dem etwas albernen Verdacht, die Kritische Katze könnte möglicherweise die Wohnung mit Chai-Tee geflutet haben, öffnet der Tatzelwurm ganz vorsichtig die Wohnungstür.
In einer bedrohlichen Duftwolke steht dahinter die kritische Katze und hält ihm feierlich eine blaue Snare Drum entgegen, auf der ordentlich zwei matte dunkle Sticks liegen.
„Tada!“ singt die Katze pompös und dreht sich einmal im Kreis.
Der Tatzelwurm macht eine Handbewegung, als müsse er sein Gesicht von einer Rauchwolke befreien und fragt ängstlich: „Was hast du getan?“
Die Katze lässt ihre Pupillen die gesamte Fläche ihrer Augen einnehmen und schreit dramatisch: „Oh nein! Was habe ich nur getan?“
Der Tatzelwurm gibt der Wohnungstür einen Tritt, der diese schließt; den nächsten aggressiv formulierten Aushang an den Briefkästen möchte er auf diese Weise gerne verhindern.
Die Katze kehrt dem Tatzelwurm den Rücken zu und stolziert zum Esstisch, wo sie die Trommel abstellt und mit einem großen Messer anschneidet. Der Tatzelwurm ist sehr erleichtert, als er merkt, dass es sich bei der Trommel um eine Torte und bei den Sticks um Nachbildungen aus Schokolade in Kakaostaub handelt.
„Was habe ich gemacht?“, wiederholt die Katze: „Gebacken habe ich! An Geburtstagen sollte es Torte geben, wie ich bereits sagte. Chai-Biscuitböden und Chai-Frosting nach altem traditionellem Geheimrezept, das nur unter Kritischen Katzen weitergegeben wird! Blau gefärbte Buttercrème an der Seitenfläche und eine sündhaft süße Spiegelglasur auf der Oberseite! Für die Schokosticks habe ich eine Silikonform mit dem Stick hergestellt, den du beim The Warning-Konzert von Paulina gefangen hast. Er liegt da drüben.“ Die Katze sieht aus, als würde sie Applaus erwarten.
Der Tatzelwurm schaut in die Küchenzeile, in die die Katze gezeigt hat. Die Arbeitsfläche, das Spülbecken und die Griffe der Schubladen sind großzügig bedeckt mit Mehl, Zucker, Kakao und Gewürzen. Dazwischen und teilweise mit Frosting bekleckert liegt der Drumstick, den der Tatzelwurm als Reliquie verehrt. Etwas ratlos schaut der Tatzelwurm wieder die Kritische Katze an.
Die Katze bleibt äußerlich ungerührt, vollführt aber plötzlich eine erstaunliche Wellenbewegung mit ihrem ganzen Körper, tanzt zum Schrank um Teller zu holen und singt dabei: „I‘m a mess, mess, mess!“
Als sie ihrem Mitbewohner seinen Teller mit einem großen Stück Torte samt Drumstickspitze darauf überreicht, fragt sie herausfordernd: „Gibt’s heute auch noch was Anständiges zu essen – nachdem ich endlich Zeit gehabt haben werde, die Küche zu putzen?“
Der Tatzelwurm nimmt den Teller und nickt: „Spaghetti!“
Le Sserafim: Spaghetti
| Jahr | 2025 |
| Land | Südkorea |
| Genre | K-Pop |
| Aha-Momente | Die Kritische Katze liebt Le Sserafim, seit die Gruppe eine Single mit dem intellektuell völlig überfrachteten Titel Eve, Psyche, and the Bluebeard’s Wife veröffentlicht haben. Daraufhin hat sie eine gute Woche lang versucht, dem Tatzelwurm die Tanzbewegungen aus dem Video beizubringen und verkündet, dass dies der beste K-Pop-Song aller Zeiten sei. Der Tatzelwurm glaubt, dass die Zukunft damit ebenfalls gemeint ist. Er mag aber auch sehr gerne das etwas neuere Krawallstück Spaghetti, das J-Hope von BTS featuret und musste bei der Auswahl zu Ehren des 28. Geburtstags von Sakura keinerlei Widerstand überwinden. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „You don’t have to think too much“ fordern Le Sserafim und liefern mehr als genug Sprachmelodie, aufsehenerregende Soundeffekte und kontrastierende Gesangsmotive, damit zumindest der Tatzelwurm das Denken vorübergehend einstellen kann. „Eat it up!„schreit die Katze und hat großen Spaß an den Stimmeffekten wie J-Hopes „Blip„-Geräusch oder dem unappetitlichen „Wuah“ nach vielen Aufforderungen zum Aufessen. |
| Visuelle Highlights | Explodierende Köpfe, fliegende Messer, eine vervielfachte Sakura (die auch viel singen darf), eine Choreografie für die Hände und so viele Nudeln! Das Video versucht ebenso viele visuelle Ideen aufzubieten, wie der Song musikalische bereithält. |
Mastodon: More Than I Could Chew (live at Bloodstock 2025)
| Jahr | 2025 |
| Land | USA |
| Genre | Prog Metal |
| Aha-Momente | Seitdem Lead-Gitarrist Brett Hinds die Band 2025 zuerst im Zorn verlassen und eine spätere Rückkehr dann durch seinen Unfalltod ausgeschlossen hat, sind Mastodon nur noch zu dritt. Damit sich Riff-Spezialist Bill Kelliher aber auf seine vornehme Aufgabe konzentrieren kann, die Riffs zu spielen, die einen Metal-Song nun einmal ausmachen, gibt es mit Nick Johnston zumindest für Live-Auftritte einen Lead-Ersatz. Was Brann Dailor, der heute 51 wird und sich bestimmt über die Torte der Katze freuen würde, mit seinen vielen Percussion-Instrumenten macht, sieht nie einfach aus. Dass er dabei auch noch singen kann, ist koordinativ unglaublich. „Er hat einmal gesagt, dass er sich einfach vorstellt, seine Stimme sei ein weiteres Rhythmusinstrument.“, weiß der Tatzelwurm zu berichten. „Klingt einfach“, sagt die Katze achselzuckend. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „I have lost my way“ singen Troy und Brann ab etwa 4:00 gemeinsam. Das ist die Stelle, die dem Tatzelwurm nicht aus dem Kopf geht. |
| Visuelle Highlights | So viele Referenzen an den 2025 verstorbenen Ozzy Osbourne! Allerdings ist Mastodon ja auch wirklich mal eine Band, der man die Black Sabbath-Einflüsse anhört. Troy hat erkennbar seinen Spaß an seinem neuen Platz in der ersten Reihe. Und Bill wie immer an seinem Kaugummi. |

Hinterlasse einen Kommentar