Morgens auf dem Wochenmarkt hat die Kritische Katze lange die Kürbisse am Gemüsestand betrachtet und schließlich versonnen lächelnd angemerkt: „Da haben wir ja eine schöne Zeitreise gemacht in den letzten Tagen.“
Als der Tatzelohrwurm am Abend die fein gehobelten Bratkartoffeln zusammen mit dem in Sojasauce und Chiliöl gedünsteten Brokkoli serviert, macht er ein besorgtes Gesicht: „Was, wenn wir jetzt musikalisch in der Vergangenheit feststecken? Wie kommen wir denn wieder in die Gegenwart zurück?“
„Die Gegenwart ist immer die Zeit, in der wir gerade sind.“, belehrt die Katze ihren Mitbewohner kauend hinter einem ansehnlichen Hügel aus Bratkartoffeln. Zu ihren Brokkoliröschen gewandt murmelt sie finster: „Wenn ihr gefressen werdet, obwohl ihr dagegen wart!“
Der Tatzelwurm ist weiterhin nachdenklich: „Stell dir vor, wir könnten mit unserer Fernbedienung wirklich in der Zeit zurückreisen! Dann wären wir jetzt in den späten 1990ern. Wir könnten vielleicht unseren Wissensvorsprung nutzen.“
„Zuerst brauchen wir neue Identitäten!“, ruft die Katze voller Tatendrang und steigt auf das Gedankenspiel ein: „Wir können ja nicht einfach wir sein, denn unsere jüngeren wir sind ja schon da.“
„Dann müssen wir uns, also unseren jüngeren uns unbedingt aus dem Weg gehen!“, seufzt der Tatzelwurm erschrocken, „Wir dürfen uns ja nicht selbst begegnen, damit die Raumzeit nicht kollabiert!“
„Danke für die Warnung, Doc Brown!“, spottet die Katze, „Die Raumzeit ist schon mit ganz anderen Dingen fertig geworden; da machen ein alter Drache und eine olle Katze auch nichts mehr aus.“
„Man ist so alt, wie man sich fühlt!“, empört sich der Tatzelwurm: „Wie alt bist du eigentlich?“
„As old as the rocks“, konstatiert die Katze und nimmt sich Brokkoli nach.
„Für heute Abend ist mir das alles zu schwierig.“, seufzt der Tatzelwurm: „Wie reisen wir also wieder ins Jetzt?“
„Wieso willst du dahin?“, fragt die Katze in ihrem inquisitorischen Tonfall und fügt dann sanft hinzu: „Mache ich Chai Latte für zwei?“
„Nein, für mich bitte auch!“, antwortet der Tatzelwurm mit einem Augenzwinkern: „Und genau deswegen müssen wir wieder hierher.“
„Wir reisen ja nur musikalisch durch die Zeit.“, verteidigt sich die Katze: „Wenn du unbedingt wieder ins Jetzt willst, dann können wir das mit Effektpedalen tun, wie du sie bei James Iha und Sel Balamir immer so bewunderst.“
„Mit Effektpedalen kann man in die Zukunft reisen?“, staunt der Tatzelwurm.
Die Katze zuckt mit den Schultern: „James und Sel haben es jedenfalls getan. Und uns alle mitgenommen!“
Amplifier: Neon (live in Berlin)
| Jahr | 2009 |
| Land | UK |
| Genre | Alternative Prog Rock |
| Aha-Momente | „Not your grandmother’s Effektpedale!“, wirbt die Katze: „Hier ist nicht so ein exzentrischer Stilist am Werk: kein Brian May, Jimi Hendrix, David Gilmour oder Jack White. Das hier ist große Architektur!“ Der Tatzelwurm nickt zustimmend und versinkt entspannt in dem kathedralengroßen Klangteppich, den Amplifier weben. |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | „Judge not lest you will be judged!“ Spricht Sel lest komisch aus, weil er eben Engländer ist? Oder zitiert er Jesus absichtlich falsch? „Diesem Mann ist alles zuzutrauen.“, urteilt die Kritische Katze und der Tatzelwurm findet, dass es wie ein Kompliment klingt. |
| Visuelle Highlights | Hier wird schwer gearbeitet! Matt Brobin attackiert seine Hardware gnadenlos und treibt seinen Schrittzähler zur Verzweiflung – der Tatzelwurm mag es, wenn man gewissermaßen in die Restaurantküche schauen kann. „Aber Sel macht auch viel mit den Füßen! Warum wird das nicht gezeigt?“, fragt er neugierig. „Betriebsgeheimnis!“, sagt die Katze mit vor der Brust verschränkten Armen. |

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