Die WG hat eine Dachluke genau über der Couch, die man ganz nach außen aufklappen kann. Heute hat eine trotz der Zeitumstellung ziemlich gut aufgelegte Frühlingssonne fast den ganzen Tag lang aufs Dach geschienen, so dass die Dachpfannen auch nach Sonnenuntergang noch angenehm warm sind. Die Kritische Katze liegt mit dem Rücken auf dem Dach, neben sich ein Becher mit Chai Latte, der ebenfalls von der Restwärme des Dachs profitiert.
Tatzelohrwurm klettert etwas linkisch und sehr darauf bedacht, kein Gekeuche hören zu lassen, durch die Dachluke nach draußen. „Sauerkrautstrudel ist fertig.“, meldet er, nachdem er zunächst eine halbe Minute lang in die dunkle Umgebung gespäht hat.
„Sauerkraut oder Orangen-Karamell-Kraut?“, möchte die Katze sichergehen, wendet dabei aber ihren Blick nicht vom Sternenhimmel ab.
„Ich habe es natürlich so gemacht wie immer: ich habe das Sauerkraut mit karamellisiertem braunem Zucker vermengt und mit frisch gepresstem Orangensaft abgelöscht. Ich habe sogar noch ein paar Orangenfilets dazugegeben. Eigentlich ein Winteressen“, berichtet der Tatzelwurm, setzt sich neben die Katze und fragt dann: „Welche Sterne kann man sehen?“
Die Katze deutet geradeaus nach Süden und sagt nur: „Jupiter.“
Der Tatzelwurm ist begeistert und himmelt Jupiter mit weit aufgerissenen Augen an: „Wie groß muss der sein, dass man seine Reflexion trotz dieser unvorstellbaren Entfernung gut sehen kann?“
„Knapp 760 Millionen Kilometer weit weg“, bestätigt die Katze: „Das ist ungefähr fünfmal so weit weg wie die Sonne. Und hoch über dir ist der Himmel heute Bejeweled; die wunderschöne Halskette, die allerdings drei Steine zu wenig enthält für Midnights, ist die Corona Borealis.“
„Die Nördliche Krone“, übersetzt der Tatzelwurm fasziniert: „Ob da oben wohl auch jetzt gerade zwei auf ihrem Dach sitzen und in unsere Richtung schauen?“
Die Kritische Katze denkt darüber nach und sagt dann: „Das kommt darauf an, was du mit jetzt gerade meinst. Ich glaube nicht an Gleichzeitigkeit in kosmischem Maßstab.“
Der Tatzelwurm ist irritiert, weil er seine Frage für leicht verständlich hielt: „Naja, jetzt gerade eben. In diesem Moment.“
„Also wenn man das Universum einfrieren und dann auf den Planeten um diese fremden Sonnen nach Wesen auf Dächern suchen könnte?“, bohrt die Katze mit gerunzelter Stirn: „Oder zu dem Zeitpunkt, wenn das Licht aus unserer Dachluke bei jenem entfernten Dach ankommt? Oder zu dem Zeitpunkt, als das Licht auf den Weg geschickt wurde, das wir jetzt sehen? Alles schwierig, wenn du mich fragst, denn auf dem Weg zwischen hier und dort können sich so viele Dinge auf die Zeit und das Licht auswirken – außerdem kannst du auch nicht wissen, ob Alien-Tatzelohrwurm und die Kritische Alien-Katze überhaupt das gleiche Zeitempfinden haben wie wir.“
Der Tatzelwurm merkt, wie ihn das Universum mal wieder beunruhigt. Trotzdem fragt er: „Welches Zeitempfinden meinst du? Ob sie müde sind nach der Zeitumstellung? Oder ob es bei ihnen jetzt 37 Uhr ist, weil sich ihr Planet so langsam dreht?“
Die Katze nickt: „Das auch. Aber ich meine unser aller Sturz durch die Vierte Dimension! Den universalen Sog! Die Charybdis der Unendlichkeit! Die Stromspannung des Universums!“
Der Tatzelwurm fühlt sich zunehmend unwohl: „Welches andere Empfinden könnten die Aliens denn haben?“
„Sie könnten Wesen sein, die vier oder mehr Dimensionen begreifen können. Wir schaffen ja gerade mal drei. Aber stell dir einen zweidimensionalen Sauerkrautstreifen auf seinem ausgerollten Blätterteig vor, für den es nur vorne und hinten, links und rechts gibt. Oben und unten sind für ihn als zweidimensionales Wesen überhaupt nicht vorstellbar. Und jetzt kommst du als quasi-göttlicher 3D-Drache und drückst deine Kralle durch den Teig. Drückst vielleicht sogar den Sauerkrautstreifen mit durch den Teig. Wie…“
„Herrje!“, quietscht der Tatzelwurm erschrocken: „Die Strudel!“ Damit springt er auf und hüpft durch die Dachluke nach unten.
Die Katze greift zu ihrer Chai Latte, nimmt einen großen Schluck und deutet dann mit einer Kralle durch die Luke nach unten. „So einfach ist das.“, beschließt sie dann.
Red Velvet: Cosmic
| Jahr | 2024 |
| Land | Südkorea |
| Genre | Disco |
| Aha-Momente | Irene von Red Velvet feiert heute ihren 35. Geburtstag. Als waschechte Band Leadern startet Irene nach Seulgis Einführungstakten etwa bei Zeitmarke 0:19 mit dem zweiten Vers und singt das abschließende „Comic love oh yeah„. „Red Velvet sind aber die X-Men unter den K-Pop-Bands“, findet der Tatzelwurm: „Deshalb ist alles dazwischen Teamwork!“ |
| Hookline / Ohrwurm-Moment | Die Kritische Katze findet den Aufbau des Songs spannend: „Mit den süßen Synths am Anfang haben wir ja alle gerechnet – auch mit dem Cha-Cha Bass und den Dance-Drums. Aber dann wird im Vers nach dem ersten Chorus, also ab 1:35 plötzlich sehr groovy auf Bass und Drums reduziert. Bei der Bridge hängt plötzlich der Himmel voller Geigen – und dann kommt alles zusammen!“ „Riding on your rhythm through the solar system„, singt der Tatzelwurm auch noch, als er bereits im Bett liegt. |
| Visuelle Highlights | Red Velvet haben zu viel Horrorfilme geschaut – besonders den einen: das Video spielt auf den schwedisch-amerikanischen Horrorfilm Midsommar von 2019 an, auch wenn es vordergründig ein luftig-leichtes Liebeslied-Video um einen Jungen von den Sternen (mit passendem Kopfschmuck) ist. Die Baumszene mit dem Kleid, die Maibaum-Szene und diverse Blicke in die Kamera sind aber ziemlich beunruhigend. Red Velvet selbst halten es für selbsterklärend, dass der Sternenjunge am Ende rituell geopfert wurde. „Ich verstehe heute gar nichts.“, stöhnt der Tatzelwurm. |

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